Brisenstimmung

Biene bloggt

Rezension: Jürg Halter: Erwachen im 21. Jahrhundert. Roman

 

“Kaspar erkennt seine Wohnung als Kopf, durch den er in diese Nacht geht, taumelt, stolpert, fällt. Seine Wohnung als Kopf, durch den er gehetzt wird, sich hetzen lässt.“

Kaspar, der Protagonist aus Jürg Halters Roman „Erwachen im 21. Jahrhundert“, schreckt im Juni 2018 aus einem Traum hoch. Es ist noch Nacht, aber er steht auf, bereitet sich auf seine Abreise vor, die ihn nach Brest führen soll zu „den anderen“.

Die Geschichte, die der Schweizer Musiker und Schriftsteller Jürg Halter dann erzählt, zieht mich als Leserin mitten hinein in ein Sammelsurium aus Gedanken, Bildern, Überlegungen, die Kaspar zusammenhanglos nebeneinanderstellt, weil sie zusammengehören und sich doch nicht zu einem einzigen Bild zusammenfügen lassen.

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Wunsch der Toten

 

Wunsch der Toten

Drei Nächte Atem noch, wenn schon in dieser Stunde,

die Feder still vor meinem Munde ruht,

und jeder weitre Schnitt in meine Wunde

nichts mehr bewirkt, da starr erlag das Blut.

 

Drei Nächte Weinen und in meinem kalten Schoß

will ich Dich wiegen, leis erklingt ein frühes Lied,

doch ahnst versteinert fern den stummen Reim Du bloß,

der ausgehöhlt von Trauertropfen weiterzieht.

 

Drei Nächte Wachen, dann bin ich allein

mir Reue schuldig, längst hast Du mir ja vergeben,

ersuch in Scheue meinem Schöpfer nah zu sein,

erhoff Verständnis für mein hoffnungsloses Leben.

 

Drei Jahre Hölle, bis ich endlich erdenfrei,

bis Deine Trauer mich von jeder Pflicht entbindet,

gebar mich fröhlich dann als Luftmeers Melodei,

wünsch, dass Dein Lachen mich in fernem Wehen findet.

 

Aus: Sabine Walther. Atem Sein. Gedichte und Fotografien vom anderen Ende der Liebe.

Die Arbeit am Manuskript – ein Absatz, fünf Überarbeitungen und immer noch nicht fertig …

 

Schreiben ist ein Prozess, der niemals endet. Es gibt Autoren, denen möchten wir die Augen küssen vor Dankbarkeit für ihre Romane, Erzählungen, Gedichte. Und dennoch bin ich mir sicher: Sie selbst kennen die eine Passage im Buch, die ihnen komplett misslungen ist. Sie sehen den Fehler, der sich eingeschlichen hat, die Formulierung, die unstimmig ist. Und sie ärgern sich darüber.

Und das ist gut so, denn aus unseren Fehlern lernen wir. Idealerweise spornen sie uns an, es beim nächsten Buch besser zu machen. Dem Wunsch, endlich fertig zu werden, zu widerstehen, keine Nachlässigkeit zu dulden.

Nur einen Absatz habe ich für euch aus meinem aktuellen Schreibprojekt herausgesucht, um einmal zu demonstrieren, wie ich als Autorin meine Texte lese, ändere, idealerweise verbessere oder, wenn es schiefgeht, verschlimmbessere. Falls ihr also Lust habt, mal einen kleinen Einblick in meinen Schreibprozess zu erhalten – bitte hier entlang.

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Rezension: Autoren Sternzeit. Geschichten, die nie erzählt wurden.

 

 

Instinktiv ahnte ich, dass die größten und wichtigsten Ereignisse des Lebens im Inneren geschehen.“

(Michaela Göhr)

Ein frisch gedrucktes Buch zur Hand zu nehmen, ist immer ein besonderer Moment. Einmal mehr, wenn dieses Buch eine Geschichte enthält, die man selbst geschrieben hat. Gestern war ein solcher Moment – ich hielt die Printversion der Anthologie „Geschichten, die nie erzählt wurden“ in den Händen. Und was soll ich sagen: Ich gebe sie nicht wieder her.

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Von der zweiten Welle zum großen Reset?

 

Wie die Superheroes vom WEF die Welt retten wollen und warum wir das nicht akzeptieren sollten.

 

Die Medien übertreffen sich derzeit mit Meldungen, die vor einer zweiten Corona-Welle warnen. Unhinterfragt wird eine Metapher verwendet, die zur sachlichen Bewertung des Ist-Zustandes nichts beizutragen hat, dafür aber erneut Panik schürt.

Eine Panik, die den Akteuren des Weltwirtschaftsforums (englisch: World Economic Forum, kurz WEF) wohl sehr gelegen kommt. Selbiges nämlich hat für 2021 ein Event namens „the great Reset“ auf die Tagesordnung gesetzt, das die Angst vor dem Virus nutzt, um eine weltweite Führerschaft zu etablieren, die sich der großen Menschheitsprobleme annehmen wird.

Nach welchem Muster uns die aktuelle Berichterstattung mit einer Mischung aus Fakten und Fiktion versorgt, werde ich im ersten Teil dieses Beitrags am Beispiel der „zweiten Welle“ zeigen.

Im zweiten Teil berichte ich von einer Veranstaltung, die als Vorbild für diese Art der Berichterstattung betrachtet werden kann, der Pandemiesimulation Event 201, die im Oktober 2019 stattfand.

Im dritten Teil schließlich befasse ich mich mit der weltweiten Führerschaft, die das WEF nun in diesem Szenario übernehmen möchte, und skizziere, warum nicht Panik und neue Führer uns retten werden, sondern ausschließlich die Verteidigung der Demokratie.

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Fake-News auf dem Prüfstand: Bill Gates und der vermeintliche Impf-Chip

Oder: Gibt es nichts Wichteres, worüber wir streiten sollten?

Eines der Gerüchte, das sich so hartnäckig verbreitet wie das Corona-Virus selbst, lautet, Bill Gates wolle die Menschheit zwangsweise impfen und zugleich mit einem Chip ausstatten. Die Medien werden nicht müde, diese sogenannten Fake-News zu dementieren. Ein solches Dementi lautet dann beispielsweise, dass es keine Pläne gebe, „eine mögliche Technologie zur Digitalisierung von Impfungen bei Corona einzusetzen“

Wie wir im Folgenden sehen werden, ist dies richtig, verkennt aber, welche Hintergründe hier noch eine Rolle spielen. Denn: Es sollen zwar keine Technologien zur Digitalisierung der Impfung einsetzt werden. Pläne, Impfungen zu nutzen, um Menschen weltweit mit einer digitalen Identität auszustatten, gibt es jedoch durchaus. Nur wird die zugrundeliegende Technologie eben kein Chip sein.

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Die letzte Anstalt oder:

 

Antirassismus made in Germany. Durch Diffamierung zur Einheit.

In den USA wurde wieder einmal ein Schwarzer auf grausame Weise ermordet und in Deutschland schwappen die Empörungswellen über. Gründlich, wie wir Deutschen sind, muss sofort geklärt werden, welche Mitschuld uns dieses Mal trifft. Wie ist es um den Rassismus in Deutschland bestellt?

Die Kabarettsendung „Die Anstalt“ vom 14.07.2020 versprach Aufklärung beziehungsweise bemühte sich, auch die Aufklärer vom Sockel zu stoßen. Was, mit Verlaub, keine wirkliche neue Debatte anstößt, sondern seit Jahren diskutiert wird.

Nachdem dann aber Kant (Rassist) und  Marx (Rassist und Antisemit) auf die übliche Weise „enttarnt“ worden waren, wollte man die Nummer wohl noch irgendwie toppen.

Nur wie? Ganz einfach. Eine Frau musste her. Eine, die schon immer im Verdacht stand, zu kühn, zu beherrscht, zu unerbittlich und männlich zu denken. Eine Jüdin, die der Gestapo gerade noch entkommen war. Nicht aber der “kritischen” Lesart des Zeitgeistes.

Und so präsentierte die Anstalt dem überraschten Zuschauer in einer “Challenge” ein kühles Weib namens Hannah Arendt, das sich selbst mit den Worten lobte, es habe sich noch in den Fünfzigern für Rassendiskriminierung eingesetzt. Es folgten zusammenhanglos in den Raum geblasene Äußerungen, die nicht nur an Rufmord grenzten, sondern diesen vollzogen. Aber was tut man nicht alles für die Quote.

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Buchbesprechung: Die Humane Marktwirtschaft. Das Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen.

 

Peter Haisenko und Hubert von Brunn, Anderwelt-Verlag: 2016.

Schon vor dem Corona-Lockdown befanden sich Teile der Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession. Die Verbreitung des Virus hat diesen Niedergang beschleunigt, teilweise wird er durch lebensverlängernde Maßnahmen verzögert. Wann, wenn nicht jetzt, wäre daher der Zeitpunkt günstiger, um über den Aufbau einer neuen gerechteren Volkswirtschaft nachzudenken?

Den Entwurf einer solchen Volkswirtschaft skizzieren die Autoren Peter Haisenko und Hubert von Brunn in „Die Humane Marktwirtschaft“ auf rund 200 Seiten. Ausgehend von einem kurzen historischen Rückblick zeichnen sie den Status quo  als „Kartenhaus einer korrupten Wirtschafts- und Finanzpolitik“, das zwangsläufig bald in sich zusammenbrechen wird, und stellen diesem System die Idee einer neuen Marktwirtschaft gegenüber, in der „Gerechtigkeit, Wohlstand, Lebensfreude und Zufriedenheit für alle“ angestrebt werden.

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„Cancel Culture“: Vom Instrument der Machtlosen zum missbrauchten Machtmittel?

 

Heute machte mich meine Tochter auf einen Begriff aufmerksam, der bisher an mir vorbeigegangen war: Cancel Culture. Der Begriff umschreibt, dass eine Person, die sich politisch unkorrekt verhalten oder geäußert hat, in der Öffentlichkeit nicht mehr stattfinden soll. Dies geschieht über ein öffentliches Anprangern, meist in den Social Media, über Boykott-Aufrufe, indem die Person nicht mehr zu Veranstaltungen eingeladen wird und dergleichen mehr.

Ursprünglich galt Cancel Culture als Instrument der Machtlosen, also derer, die aufgrund einer persönlichen Eigenschaft diskriminiert werden – weil sie schwul oder dunkelhäutig sind beispielsweise. Mittlerweile hat die Sache aber Ausmaße angenommen, die selbst einem Machtmissbrauch gleichkommen, wenn nämlich eine Vorverurteilung ohne Überprüfung stattfindet und bestimmte Gruppen darüber entscheiden wollen, wer was wie formulieren und welche Meinung vertreten darf.

Komplett absurd wird es, wenn Personen für einen „Fehltritt“, den sie irgendwann in der Vergangenheit einmal begangen haben, gecancelt werden sollen – als Beispiel lässt sich hier der kanadische Premier Justin Trudeau benennen. Diesem wurde 2019 Rassismus vorgeworfen, weil er sich 2001 im Karneval als Aladdin verkleidet und das Gesicht geschwärzt hatte. Welch denkwürdiger Zufall, dass dies ausgerechnet im Wahlkampf geschah.

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Rettet Corona die Welt? Oder auch: Was darf Satire?

 

Eine kleine Verteidigung eines großartigen Satire-Videos des Bohemian Browser Balletts

Kaum war das neuste Video des Bohemian Browser Balletts veröffentlicht, gab es gewaltige Schelte und bitterböse Kommentare. Stein des Anstoßes: Im Video wird behauptet, das Corona-Virus sei so fair wie gerecht und möglicherweise die Rettung unseres Planeten, da es die Alten hinwegrafft und die Jungen weiterleben lässt. Darüber hinaus seien vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, wie sie für die fetten Wohlstandsnationen typisch sind.

Was, wie schon zuvor das Umweltsau-Lied des WDR-Kinderchors, als Satire gemeint war, wurde seiner Aussage nach für bare Münze genommen. Und wieder einmal stellte sich die bereits oft diskutierte Frage: Was darf Satire?

„Alles“, lautete einst die Antwort eines Kurt Tucholsky. Aber diese Antwort allein wird als nackte Tatsache dem Genre Satire nicht gerecht. Und sie verschweigt die wesentliche Frage, die auch schon Tucholsky seinem kurzen Artikel über die Satire voranstellte, nämlich die nach dem Zweck der Satire und dem Charakter des Satirikers. Auf einen Nenner gebracht:  Was will Satire?

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