Brisenstimmung

Biene bloggt

Monat: Februar 2019 (Seite 2 von 3)

„Sind Computer die besseren Menschen?” Ein Streitgespräch zwischen Joseph Weizenbaum und Klaus Haefner

Können Computer, kann künstliche Intelligenz wirklich etwas Neues hervorbringen? Oder bedeutet das Lernen von Maschinen einfach nur, dass neue Daten auf der Grundlage konservierten Wissens entstehen? Wie unterscheidet sich menschliches Schaffen von der maschinellen Datengenerierung? Entsteht Sinn und Wert eines Kunstwerkes aus der Produktion oder aus dem Resultat? Gibt es überhaupt Vergleichspunkte zwischen Mensch und Computer, zwischen ihren Formen von Intelligenz und ihrer Befähigung zur Erfahrung?

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Ludwik Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache

Wie entstehen wissenschaftliche Tatsachen? Können Tatsachen überhaupt entstehen oder sind sie nicht immer schon vorhanden, bis sie eben jemand entdeckt? Bis beispielsweise ein Krankheitserreger gefunden und damit die Ursache für die Entstehung einer Krankheit nachgewiesen ist? Zeichnet sich Wissenschaft nicht gerade dadurch aus, dass sie sich von Fiktionen und Glaubenssätzen fernhält, dass sie Tatsachen nicht erfindet, sondern auf der Suche nach Erkenntnis vorfindet?

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Timeline 29012018

 

Timeline 29012018

 

Gestern Auschwitz, Gedenken, nie wieder

Menschenversuche mit Gas,

außer vielleicht heute für Kraft-durch-Freude-Wagen,

offen das Verdeck,

offen die Lager,

der Bordellgeruch der Hartz-Vier-Begründer

hängt noch in der stickstoffbelasteten Luft,

bezahlt vielleicht von den eingesparten Geldern für Zwangsarbeiter

und der Moderator moderiert moderat,

man müsse doch untersuchen,

welches Gas wirkt eigentlich wie,

im Versuchslabor für Arbeitsmedizin

in Aachen, nicht in Auschwitz, und gleich kommt einer

und erklärt mir,

den Unterschied und begreift nicht,

wie offen das vor uns geschieht,

was verdeckt sein müsste, heute,

nur einen Tag nach gestern.

Liveschalte zum Attentat

Über die bigotte Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien

Als in der Türkei geputscht wurde, gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern zunächst kaum eine Reaktion. Während überall auf der Welt live berichtet wurde, konnte man hier gemütlich Musik hören oder den üblichen Serienquatsch anschauen, der einem Abend für Abend von unseren Sendern mit öffentlichem Auftrag so dargeboten wird.

Daran gab es viel Kritik und vielleicht wollte die ARD es gestern (22.07.2016) besser machen. Während des Attentats in München wurde stundenlang live gesendet. Zutage kam dabei kein Hintergrundwissen, wie auch, zu diesem frühen Zeitpunkt. Zutage kam dagegen, wie bigott diese Medien berichten, die Besonnenheit predigen und gleichzeitig Verdachtsmomente in die Welt setzen oder das Unheil herbeireden. Schön skandiert von Aussagen wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

Als ich mit Freunden darüber debattierte, erhielt ich zur Antwort: Wir leben nun einmal in einer Welt des Überflusses. Zuviel von allem – auch an Nachrichten und Informationen. Man könne ja ausschalten. Und wenn man dies nicht tue, habe man wohl nichts Besseres zu tun oder sei halt der eigenen Sensationsgeilheit erlegen.

 

Es wurde nicht zu viel oder zu wenig informiert, …

Nun beschäftige ich mich nicht erst seit gestern mit Fragen der Kommunikation und der Nachrichtenübermittlung. Es ist mir bekannt, dass Nachrichten in autoritären Regimen eher unterdrückt werden, in freiheitlicheren Gesellschaften dagegen im Überfluss auf uns niederprasseln, sodass niemand mehr in der Lage ist, diesen Fluss zu steuern oder zu verarbeiten. Das Ergebnis ist ebenfalls bekannt. Immer mehr Menschen lesen nur noch die Nachrichten, die sie ohnehin erwarten. Suchmaschinen und soziale Netzwerke kommen diesem „Bedürfnis“ nach Filterung entgegen, indem sie eine Vorauswahl für ihre Nutzer treffen.

 

… es wurde suggeriert und kommentiert.

 Zu den Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Sender gehört es, zu informieren, aufzuklären, gegensätzliche Standpunkte zu verdeutlichen. Und vor allem: zu recherchieren. Kann man einen Umstand aktuell noch nicht klären oder darf darüber noch nicht berichtet werden, dann ist dies die Information!

Tatsächlich lässt sich feststellen, dass fehlende Informationen zunehmend oft durch Spekulationen oder durch Fiktionen ersetzt werden. Es werden Bezüge hergestellt, für die es keine Anhaltspunkte gibt. Es werden Suggestivfragen gestellt, die nicht zu widerlegen sind. Es wird mit Unterstellungen gearbeitet, die man zwar als solche benennt, trotzdem aber nicht unterlässt. Absurder geht es kaum noch. Genau so gut könnte man einem ängstlichen Kind sagen: Mach dir keine Sorgen, es gibt noch keine Hinweise darauf, dass das Monster unter deinem Bett real ist. Aber wir gucken in fünf Minuten nach, ob es noch da ist.

 

Ausschalten und geschehen lassen?

Also warum nicht einfach ausschalten? Das Gegenteil eines scheinbar liberalen Statements wie „es soll doch jeder machen, was er will“, ist das autoritäre „wenn es dir hier nicht passt, dann geh doch woanders hin.“ Oder ist es einfach die Kehrseite der Medaille?

Ich will nirgendwo anders hin. Ich lebe gern in diesem Land. Und ich lasse es mir nicht nehmen, darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas falsch läuft. Wir haben ein paar verdammt gute Journalisten und Zeitungen hierzulande. Es kann, darf und soll aber nicht sein, dass Journalisten eines öffentlich-rechtlichen Senders mit Suggestivfragen und Unterstellungen Abendunterhaltung betreiben, Antworten und Fakten ignorieren und den Verdacht immer weiter in eine bestimmte Richtung treiben.

 

Wann haben Sie aufgehört, Ihren Hund zu schlagen?

Der Ablauf war in etwa so (aus dem Gedächtnis wiedergegeben und auf das Wesentliche reduziert):

Pressesprecher: Es gibt keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.   

Frage des Redakteurs (dem diese Info bekannt ist) an den Reporter vor Ort oder an einen Experten: Gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund?

Antwort: Es gebe Hinweise, die seien aber noch nicht so verdichtet, dass man definitiv davon ausgehen könne.

Nächste Frage des Redakteurs: Wenn es einen islamistischen Hintergrund gibt (oder gäbe), bedeutet das dann auch, dass die Gefährdung in Deutschland immer stärker wird?

Antwort: Deutschland ist generell gefährdet, ob sich das jetzt verstärkt habe, könne man nicht sagen.

Nächste Frage: Wenn die Gefährdung größer geworden ist, wie kann man sich dann schützen?

Undsoweiterundsofort.

Parallel meldet sich die gesamte Weltöffentlichkeit zu Wort, was den Eindruck verstärkt, dass hier ein Attentat wie in Paris oder Nizza zu vermelden sei. Ein bayrischer Politiker fordert den Einsatz der Bundeswehr. Eine Partei mit gewissem Einschlag ruft die Leute zur Verteidigung Deutschlands auf. Aus „bis zu 3 Tätern“ werden „mindestens 3“. Aus „bis zu xx Toten“ werden „mindestens xx Tote“.

 

Konstruktion versus Recherche von Wirklichkeit

Diese Form der Berichterstattung hat Auswirkung darauf, wie Menschen in diesem Land aufeinander reagieren. Sie trägt dazu bei, die ohnehin vergifteten Debatten weiter anzuheizen. Sie spaltet unsere Gesellschaft. Sie fördert bei den einen den Glauben, dass wir einfach zu viele böse Fremde im Land haben. Sie fördert bei den anderen den Glauben, dass man ihnen einmal mehr die Schuld für diese Morde in die Schuhe schieben will. Und: Sie hat dazu geführt, dass Menschen plötzlich überall Schüsse hörten, Attentäter vermuteten, sogar Geiselnahmen beobachteten, die es nicht gab. Aus einer Meldung wurden viele. Sie hat eine grauenhafte Wirklichkeit konstruiert, statt die wirklich grausamen Gegebenheiten zu recherchieren.

 

Der Attentäter besteht darauf, Deutscher zu sein

Die Wirklichkeit aber war gestern bereits schlimm genug. Vor allem für all jene, die einen geliebten Menschen verloren. Und für die, die wieder mal als Buhmänner herhalten mussten. Dabei: Informationen über den Täter gab es schon recht früh.

Ein Amateurvideo zeigt den Attentäter auf dem Dach des Einkaufszentrums. Dem „Dialog“, den er mit einem Anwohner führte, lässt sich entnehmen, dass er etwas gegen Ausländer hat, sich selbst als Deutschen bezeichnet und wohl zeigen wollte, dass er zum besseren Teil der Bevölkerung gehört. Hat er deshalb gezielt auf Jugendliche geschossen, die „ausländisch“ aussahen? Das Video wurde schon früh online gestellt. Sein Inhalt wurde in der ARD zunächst nicht berücksichtigt.

Es dauerte Stunden, bis auch die ARD darauf kam, dass ein rechtsextremer oder zurückhaltender gesagt, ein nicht-islamistischer Hintergrund nicht mehr ausgeschlossen war. Es dauerte Stunden, bis die beständig erneut wiederholten Spekulationen über einen Terrorakt mit islamistischem Hintergrund angepasst wurden – Stunden, in denen es vor allem die intelligenteren Nutzer der Social Media waren, die sich bei der ARD beschwerten. Leute, die nicht einfach ausschalteten, sondern erkannten und benannten, was für eine beschämende Berichterstattung dort lief.

 

Wir erhalten nicht zu viele Informationen. Wir erhalten zu wenig gut recherchierte Informationen

Wir hätten zu viel der Nachrichten und Informationen? Wir haben aktuell vor allem Journalisten, die sich beklagen, dass das Vertrauen in ihre Berichterstattung verloren ist. Die sich darauf besinnen wollten, mehr zu recherchieren und zu berichten als zu belehren und zu kommentieren.

Gestern haben sie viele Antworten erhalten. Und zwar nicht von den typischen „Lügenpresse“-Rufern, sondern von Menschen, die eine neutrale und informative Berichterstattung verlangen. Die nicht einfach ausschalten, sondern sich einmischen. Und das ist gut so.

Fortschritt oder mobiler Griff ins Klo? M-WC in Barcelona 2016

(erste Veröffentlichung am 23.02.2016)

Die Menge tobt, es lebe der Fortschritt. Irgendjemand setzt sich eine dieser Brillen auf, mit denen man sich nicht nur zum Idioten macht, sondern auch noch wie einer aussieht. Und was geschieht? O Wunder: „Wenn ich mit dem Kopf nach oben gehe, sehe ich wirklich, was über mir ist. Oder nach unten, nach links, nach rechts, hinter mir!”

Das ist mir im echten (ach nee, das darf man ja so nicht abgrenzen), also im unvermittelt erlebten Raum ja noch nie passiert! Aber noch besser ist natürlich: „Jede Kopfbewegung wird wahrgenommen.“

Klar, und nicht nur die. Und nicht nur von dir.

 

Heute schon dein Schrittpensum erfüllt?

Heimliches Zettelchen mit der unverblümten Frage: Willst du mit mir gehen?, war gestern. Heute interessieren die genauen Daten:

Wie viele Schritte gehst du und mit wem? Wie viele ungesättigte Fettsäuren hast du heute zu dir genommen und wie viele Vitamine? Hast du Besuch? Hast du regelmäßig geschützten Sex? Gehst du nachts heimlich an den Kühlschrank? Wann stehst du morgens auf? Hast du deine Pillen genommen? Hast du deine Gymnastik gemacht, dein Morgengebet gesprochen, deine Mantras gemurmelt? Denk bitte an deinen Blutdruck! Und an deine Darmflora! Und setz die Mütze auf, es ist kalt draußen!

 

Das neue Wohlgefühl: Wir sind für dich da. Immer und überall.

Kontrolle, die nicht als solche empfunden werden soll, gibt sich gern als Fürsorge aus. Soeben Muttis Warnungen entflohen, begibt man sich in die vernetzte Welt von Ratgebern, Medizinern, Coaches, Optimierern, Bank-, Ernährungs- und Erziehungsberatern. Dein Leben, deine Performance! Oder doch lieber ein Adventure auf dem Sofa? Zeig uns, was in dir steckt!

 

Sei frei und dabei: heillose Inquisition als freiwillige Nabelschau

Fürsorge oder just for fun – Hauptsache, wir teilen uns freiwillig mit. Und nicht einmal mitteilen musst du dich der Welt noch selbst. Das smarte Home erledigt dies für dich. Dabei ging doch gestern noch ein Aufschrei durch die Welt, Hilfe, wir werden bespitzelt! Die böse NSA ist uns auf den Fersen. Wer hätte auch gedacht, dass sich ein Abfallprodukt der Militärforschung, das Web, als betreuter Freigang inmitten eines riesigen Knastes erweisen könnte?

Freies Surfen für freie Bürger? Schwamm drüber, sei es drum. Heute gehen wir noch einen Schritt weiter und noch einen. Elektronische Fußfessel? Brauchen wir nicht mehr, deine Smartwatch sagt uns, wo du bist. Sensorische Deprivation? Quark, wir machen uns unsere Halluzinationen selbst, alles im richtigen Maß. Du bestimmst die Dosis.

 

Erst machen, dann denken

Wozu man den ganzen Mist wirklich braucht, der in Barcelona auf dem mobilen WC präsentiert und zeitnah wie zielorientiert zu neuem Technikmüll produziert wird? Der Reporter weiß es nicht. Aber: „Erst mal machen“, lautet die Devise. Das MIT könnte vielleicht Auskunft geben, eine jener Elite-Unis, an denen ein immer waches Völkchen mit viel Ehrgeiz und Koffein Militärforschung in einen Menschheitssegen verwandelt.

 

Weltsensation: mit Oma und Zuckerberg Ultraschallbildchen tauschen

Gestern war es die Konserve, die wir als Abfallprodukt der Rüstungsindustrie dankbar annahmen. Heute ist es halt das Funkhaus, das sogar noch die Analyse deiner Stuhlprobe ungefragt zum Doc schickt. Aber erst mal machen. Und sie hat ja auch was Gutes, die ganze neue Technologie: „So kann die Oma virtuell mit dabei sein, wenn das Kind gerade geboren wurde – und zwar per Facebook.“

Ja klar, die Oma hat da genauso wie Zuckerberg gerade noch gefehlt. Möchte noch jemand dabei sein? Aber Menschen, die nicht einmal mehr den Bauch einer Schwangeren als geschützten Ort verstehen, an dem ein Ankömmling in Ruhe und ohne tosenden Applaus werden darf, was er einmal sein könnte, finden es ja schon lange normal, kleine Ultraschallbilder, auf denen nichts zu sehen ist, als emotionales Highlight am Kaffeetisch zu kredenzen. Oder soll es lieber die Panorama-Aufnahme deines letzten Darmverschlusses sein?

 

Was ist der Mensch? Selfies vom Kotfass

 „Was ist der Mensch?“, ließ Johannes von Tepl den Tod den Ackermann einst fragen. Die Antwort fiel wenig schmeichelhaft aus.

„… ein beschmierter Bienenstock, ein ausgemachtes Drecksstück, ein schmutziges Triebwesen, ein Kotfaß, eine verdorbene Speise, ein Stinkhaus, ein ekliger Spülzuber, ein fauliges Aas, ein Schimmelkasten, ein bodenloser Sack, eine löchrige Tasche, ein Blasebalg, ein Gierschlund, ein sinkender Lehmtiegel, ein übelriechender Harnkrug, ein übelduftender Eimer, eine trügerische Totenlarve, eine lehmige Räuberhöhle, ein unersättlicher Löschkrug und geschminkte Trübsal.“

Kurz: eine stinkende, zum Sterben verurteile Kreatur. Der menschliche Wunsch nach Fortschritt bestand einmal darin, dieses Kotfass in ein halbwegs erträgliches Wesen zu verwandeln und ihm ein Leben zu ermöglichen, das minne- und wundersam ist. Aber was nach oben steigt, fällt irgendwann wieder herab. Wenn du immer weiter nach links gehst, dann landest du rechts. Und je smarter du wirst, desto tumber bist du irgendwann. Vergiss in keinem Fall, ein Selfie davon zu machen. Die neue Akkulaufzeit gibt dir ausreichend Gelegenheit dazu.

 

Aber niemand zwingt dich doch …

Ja, bla, ich weiß, dieses Argument wird kommen. Gegenfragen: Schon mal versucht, ein Buch auszuleihen ohne elektronischen Bibliotheksausweis? Schon mal versucht, einem Vierzehnjährigen zu erklären, was Intimsphäre ist? Schon mal wahrgenommen, wer alles versucht, in deinen Kühlschrank zu spähen?

Neue Technologien verändern nicht nur das Leben derer, die sie benutzen, sie verändern auch das Leben derer, die sie nicht nutzen wollen. Technologien sind nicht demokratisch, sondern totalitär. Sie besetzen den privaten Raum ebenso wie den öffentlichen. Sie besetzen unsere Art zu denken, zu träumen, die Wirklichkeit wahrzunehmen. Sie werden zu Metaphern, die dich und mich beschreiben. Oder seit wann ist dein Hirn eine Festplatte?

 

Sein blaues Wunder erleben – oder doch eher hören? Zum Sinneswandel einer Redensart

Wer sein blaues Wunder erlebt, darf sich sicher auf eine Überraschung gefasst machen. Aber woher stammt die Redensart eigentlich? Warum ist das Blaue unangenehm oder trügerisch? Hat dies wirklich etwas mit dem Handwerk der Tuchmacher zu tun, wie schon oft angenommen wurde? Oder hat das Blau vielleicht noch eine andere, uns heute verborgene Bedeutung?

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„Das falsche Signal“ – Gedankensplitter zu einer überflüssigen Phrase

Nachrichtensendung, Talkshow, Dokumentation: Wo immer öffentlich und publikumswirksam debattiert wird, da ertönt es: das falsche Signal. Nicht als Störsignal in der Übertragung der Sendung, sondern im Sendungsbewusstsein. Die Steuerpläne der Bundesregierung, Rabattschlachten im Marketing, Gerichtsurteile, Betreuungsgeld, Studiengebühren oder diplomatische Zurückhaltung: alles falsche Signale. Ganz besonders beliebt im Moment (2014): die Rentenreform. Das falscheste aller Signale.

Beispiele seht ihr hier:

 

 

Was ist eigentlich ein falsches Signal?

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Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund presse stumm Lippe auf Lippe

und endlich wird Gott wieder richten.

 

Du sahst sie gehn Herr, ein samtenes Kind,

gehüllt in honigfarbenen Duft,

schautest die Masken, die staunten sogar,

bis der Hass ihr Zögern zerriss.

 

Nun sieh auch, wie sturmlos verlassener Wind

am offenen Grabe verweilt,

verbrannt und zerstört ohne Schuld,

entflohen die Seele aus blutendem Schlund

 

zu betteln um Rache vor Dir,

der sanft ihrem Leichnam die Fäuste gesenkt,

die Hände geöffnet zu schutzlosem Gruß

und heilend dem Mund seinen Kuss geschenkt.

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund flehe stumm, Bitte um Bitte.

Und endlich wird Gott wieder richten.

 

Aus: Atem Sein. 16 unzeitgemäße Gedichte.

Darüber darf man ja eh nicht reden: Wahrheiten erfinden und verbreiten für Anfänger

(erste Veröffentlichung 11/2013)

Die Lüge ummantelt sich gern mit zerfaserten und zerfaselten Wahrheiten. Davon leben gegenwärtig zahlreiche wilden Spekulationen, in denen sich jeder lang und breit zu allem und jedem äußert. Um dann zu bedauern, dass man in diesem Lande die Wahrheit ja eh nicht mehr sagen dürfe.

Der Ablauf ist eigentlich immer derselbe: Jemand wirft erregt eine Nachricht in die Runde, die er irgendwo gelesen oder gehört hat. Sehr beliebt sind momentan Meldungen, denen zufolge Deutschen (also den richtigen Deutschen) irgendwas weggenommen werden soll, Katholiken Brunnen vergiften oder irgendein Weltuntergang bevorsteht, an dem wahlweise die Juden, die Moslems, der Papst, der Mond oder Frau Merkel schuld sind.

Es können aber auch historische Wahrheiten sein, so etwas wie: Der Zweite Weltkrieg hat gar nicht stattgefunden/ist nur aus Versehen passiert/war eine Planung der Schappaluten!

Oder: Historiker haben herausgefunden, dass schon seit dem 18. Jahrhundert Pläne bestehen, die Bundesrepublik zu vernichten.

Oder: Schon zu Zeiten Jesu wollten die Juden Weihnachten abschaffen.

Wenn du dir selbst eine solche Wahrheit basteln und sie verbreiten willst, lies am besten diese kleine Anleitung. Im ersten Teil zeige ich dir, wie du deine Wahrheiten gegen kritische Stimmen verteidigst. Im zweiten Teil testest du dich selbst: Bist du bereit, die Wahrheiten der anderen zu glauben? Passen sie zu deinen? Denn wahr ist natürlich immer nur das, was viele teilen. Also viele aus deiner Gruppe.

 

1. Schritt: Deine Wahrheit aus Sorge und Empörung teilen

Sorge dich, empöre dich, lass es raus. Gründe eine Facebook-Gruppe, die sich der Wahrheitsfindung und -verbreitung widmet, egal ob die anderen Kleingeister das interessiert oder nicht.

Lass als Erstes Unterstützer zu Wort kommen. Das sind Leute, die du persönlich kennst, mit denen du einer Meinung bist. Vielleicht kennst du sie schon aus deiner Arbeitsgruppe. Bekennt offen: Ihr wisst, dass es schwierig ist, die anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Aber eure Überzeugung ist so neu und wichtig, dass man sie nicht verschweigen darf. Sprecht euch gegenseitig Mut zu: Hey, du, wir schaffen das schon!

2. Schritt: Deine Wahrheit relativieren und stärken

Deine Unterstützer können garantiert noch ein oder zwei weitere Ãrgernisse ins Spiel bringen, die ihrer Meinung nach gut zu der geposteten Nachricht passen. Ein wenig später folgen weitere Stimmen. Die eine fragt erstaunt nach: „Ist das denn wirklich wahr? Kann ich mir gar nicht vorstellen …“

Geh sanft mit ihr um. Sie ist noch nicht so weit wie du. Antworte zum Beispiel: „Ja, das ist leider wahr. Aber die vereinigten Medien verschweigen uns das.“ Mit etwas Glück findet sich auch eine Quelle. Zum Beispiel auf dem Blog von „Volkes Wahrheit ist des Menschen Himmelreich“.

Eine weitere Stimme nimmt die Botschaft für bare Münze, relativiert aber die Schlussfolgerungen: Naja, aber es sind ja nicht alle so. Es gibt Ausnahmen. Dem kannst du gern zustimmen. Denn Ausnahmen bestätigen ja bekannterweise die Regel. Also ist Ausnahmen zustimmen eine gute Gelegenheit, um zu demonstrieren, dass man durchaus andere Meinungen zulässt und demokratische Spielregeln einhält. Schadet ja nichts.

 

3. Schritt: Enttarne jede andere Wahrheit als Täuschung

Irgendwer hält es dann irgendwann nicht mehr aus und stört deine bis dahin klare und präzise Analyse. Fragt zum Beispiel: Leute, warum verbreitet ihr solch einen Unsinn? Er oder sie weist auf einen logischen Fehler hin, auf eine Falschmeldung oder führt gar irgendwelche Menschenrechte an. Macht beispielsweise darauf aufmerksam, dass es im 18. Jahrhundert noch keine BRD gab und zu Zeiten Jesu niemand christliche Weihnachten gefeiert hat. Manche drohen auch mit Ausschluss aus der Freundesliste. Hilft alles nichts. Du bleibst dir treu. Bist du dir nicht sicher, ob du nicht vielleicht doch etwas übersehen hast, sagst du einfach: Die Geschichtsbücher sind sowieso alle gefälscht und die Medien gleichgeschaltet. Und mit Erbsen zählen kommen wir eh nicht voran.

 

4. Schritt: Vergiss nicht, Gründe anzuführen, warum die anderen ohnehin im Unrecht sind

Sei dir einfach bewusst: Eine Person, die grundlegend anderer Meinung ist als du, ist verblendet, guckt zu viel RTL, isst zu viel Zucker, benutzt die falsche Zahnbürste, vertraut immer noch auf die Öffentlich-Rechtlichen oder weiß eben noch nicht, was du weißt.

Wenn es dir gerade an einer Quelle oder einem Argument mangelt, zitiere einfach eine bekannte Autorität, jemanden, den nun wirklich jeder für einen ganz Großen und Gebildeten hält. Goethe steht ganz oben auf der Liste. Einmal kurz die Suchmaschine anschmeißen und schon findet sich ein passender Ausspruch. Und wenn es nicht ganz passt, macht nichts, merkt eh keiner. Passt schon! Wer mit Menschenrechten argumentiert, ist sowieso ein „Gutmensch“, was ja mittlerweile zum Glück als schlimmer Charakterfehler gilt. Am besten führst du dann noch irgendeinen Wissenschaftler an.

Du weißt nicht, wie man eine wissenschaftliche Quelle bewertet? Kein Problem, das wissen die anderen auch nicht. Hauptsache, es passt in die ins Bild!

 

Wenn‘s der Wahrheitsfindung dient: Teste dich selbst

Wo stehst du selbst auf der Skala der erfolgreichen Wahrheitenerfinder? Dieser Test ist ganz einfach. Wenn du ihn machen willst, suche einen geheimen Ort auf, an dem du ganz ehrlich zu dir selbst sein kannst. Sprich mit niemandem darüber. Falls du laut liest, sei sicher, dass dich niemand hören kann. Aber nimm dein Smartphone oder dein Tablet mit, denn du musst dich bei Facebook einloggen können.

Bist du bereit?

Dann lies jetzt bitte in all den Schriften und Forenbeiträge, die dir normalerweise zur Wahrheitsfindung dienen. Stelle dir folgende Fragen:

  1. Ist eine neue Meldung dabei, die dich besonders erschreckt? Eine, die du sofort mit anderen teilen musst? Was würde geschehen, wenn du sie für dich behieltest? Würde die Welt dann untergehen?
  2. Bei allem Erschrecken: Löst das, was du liest, in dir irgendeine Art von Zufriedenheit aus? Hast du es doch schon immer gewusst? Freust du dich, dass du in einer Annahme bestätigt wurdest? Hat es mal wieder Kick gemacht?
  3. Wenn es sich um eine kleine Meldung handelt, fügt sie sich dann in eine große Theorie ein? Ein Beispiel: Eine KiTa-Leitung lässt die Gemeinde wissen, dass im Schweinefleisch der Region Gift gefunden wurde. Dass man daher bis auf Weiteres kein Schweinefleisch mehr verkochen wolle.

Weißt du dann sofort, dass es Islamisten waren, die das Fleisch vergiftet haben, weil sie den Kindern keinen Schweinbraten gönnen, und Weltverschwörer oder EU-Anhänger jetzt daraus Gewinn ziehen, weil sie endlich mehr Rindfleisch verkaufen können?

 

Wenn du alle oder die meisten Fragen mit Ja beantworten konntest: Glückwunsch! Du hast die höchste Stufe im Wahrheitenerfinden erreicht. Wenn nicht: Mach dir keine Sorgen. Es ist einfacher, als du denkst. Oder anders gesagt: Gib dir einfach mehr Mühe, deinen gesunden Menschenverstand ganz loszuwerden.

Der Tod ist kein Anfang des Sterbenden

Vielleicht ist der unfaßbare Augenblick, in dem wir vom Leben zum Tod übergehen, unsere arme Ewigkeit.“

Arthur Schnitzler: „Sterben“

Gedanken über das Sterben und die Unterscheidung von Tod und Todeszeitpunkt anlässlich der Bielefelder Tagung zum Thema: Über die Wichtigkeit, tot zu sein –  die Tote-Spender-Regel und die Ethik der Transplantationsmedizin.

(erste Veröffentlichung 09/2013)

 

Wann ist der Mensch tot genug?

Nun tagen sie wieder. Und fragen: Wann ist ein Mensch tot? Oder besser: Wann ist er tot genug, damit man ihm die Organe entnehmen darf? Vom Hirntod wird die Rede sein und vom Herztod. Und von einem Todeszeitpunkt, der als Moment der Irreversibilität, der Unumkehrbarkeit, definiert ist.

Denn die eigentliche Frage, das Problem, vor das sich der Mediziner gestellt sieht, lautet ja nicht: Ist der Mensch, dem wir Organe entnehmen wollen, tot? Sondern: Ist es sicher, dass keine Chance besteht, sein Sterben noch einmal umzukehren?

Daran bemisst sich die Bestimmung des Todeszeitpunktes im Zusammenhang mit Organtransplantationen. Umso verblüffender, dass das Sterben selbst in dieser Debatte nicht vorkommt.

 

Der Tod ist eine Metapher, Sterben ein konkretes Ereignis

Dabei ist doch das Sterben das einzig konkrete Geschehen, das wir erfassen und begreifen können. Der Tod ist eine Metapher, ein Skelett, ein Sensenmann, ein Risiko, etwas, was sich von A nach B schieben lässt, gerade dorthin, wo man es benötigt.

Sah man den Tod ursprünglich erst, nachdem der Sterbende den letzten Atem ausgehaucht hatte, wurde er in Zeiten der Pest wurde vom konkreten Todesfall zu einer Erwartung. Überall versuchte und meinte man ihn zu sehen, bevor er eingetreten war. Überallhin breitete er sich aus, nicht nur in die schwarzen Beulen; er war im Wasser, im Essen, in der Luft, im verdächtigen Treiben der weisen wie der unwissenden Frauen. Wurde von einem konkret sichtbaren Tod am Ende des Sterbens zu einem erwarteten Tod, der sich ankündigte, lange bevor jemand gestorben war.

Die Angst lehrte Menschen, eine Bedrohung zu sehen, selbst dann, wenn sie nicht eintraf. Wie sonst sollte man sich in Zeiten wild um sich greifender Epidemien auch anders davor schützen? Der Tod trat vor das Ende des Sterbens, besetzte dessen Stelle als ein erwartetes Ereignis.

Der Tod ist kein Zeitpunkt, Sterben kein abrupter Stillstand

Die Pest ging, die Vorverlegung des Todeszeitpunktes blieb. Heute ist der Tod bereits viel weiter ins Leben hineingerückt. Wir begegnen ihm in einem statistischen Risiko oder einer ausgefeilten Diagnostik. Und eben im Begriff der Irreversibilität. Doch der Tod ist „ein Ende des Sterbens “ und nicht ein Moment der Unumkehrbarkeit.

Wer einmal einen Sterbenden begleitet hat, der weiß, wovon ich spreche. Mit dem letzten Ausatmen ist das Sterben noch lange nicht beendet. Der Leichnam fällt nicht von einem Augenblick zum anderen in die Totenstarre.

Ich habe schon einige Tote zu Grabe getragen, doch im Januar dieses Jahres saß ich zum ersten Mal zusammen mit Verwandten am Bett einer Sterbenden. Stunde um Stunde, bis an die Grenzen unserer Erschöpfung. Ich hielt sie im Arm, in genau jenem Moment, da sie sich ein letztes Mal aufbäumte, wehrte; sprach ein paar Worte, die aus mir herausbrachen.

Sie atmete ein letztes Mal aus und wir wussten, dass es vorbei war. Ja, wir wussten es. Aber wir sahen es nicht. Wagten kaum, uns zu rühren. Glaubten, sie würde jeden Moment wieder erwachen. Sahen sie weiter leben. Obwohl wir doch wussten. Oder zu wissen glaubten. Denn es ist unsere Ferne zum Sterben, die es uns erlaubt, zu meinen, dass der Tod unmittelbar mit dem letzten Atemzug einsetzt. Doch der Moment der Irreversibilität, der Unumkehrbarkeit, ist noch nicht der Moment, in dem das Sterben ein Ende nimmt. Sterben ist ein Erleiden, das über den Tod von Herz und Hirn hinausgeht.

 

Sterben und sterben lassen brauchen Zeit

Und auch für uns, die Hinterbliebenen, war es wichtig, dass wir über den Moment der Unumkehrbarkeit hinaus von der Sterbenden Abschied nehmen konnten. Ohne diese zäh vergehenden Stunden nach dem letzten Ausatmen hätte ich es nicht verkraftet, den geliebten Menschen beim Sterben bis an die imaginäre Grenze zu begleiten. Ohne die Stunden, in denen tröpfelnd Gewissheit einsetzte, in denen wir Anwesende gemeinsam erlebten, wie die Lebenskräfte langsam entwichen, in denen wir immer wieder letzte Worte suchten, den Leichnam noch einmal berührten, der Toten irgendetwas mit auf den Weg geben wollten. In denen dann nach und nach die ersten Zeichen der Totenstarre einsetzen.

Dann geht alles seinen Gang. Der Totenschein wird ausgestellt. Der Leichnam wird abtransportiert. Und doch: Noch immer spürte ich Angst, es könnte zu früh sein, fürchtete, die Verstorbene könnte auf irgendeine Weise noch etwas davon mitbekommen. Schämte mich, sie in dieser Dunkelheit allein zu lassen. Wünschte mir, ich hätte die Kraft, sie zu waschen, zu kleiden, aufzubahren und drei Tage und Nächte bei ihr auszuharren.

 

Die Bestimmung des Todeszeitpunktes unterbricht das Sterben

Nein, das Sterben ist keine Metapher, es ist das einzig wirklich konkrete Geschehen an diesem Vorgang, der für die einen das Ende, für die anderen einen Übergang bezeichnet. Schließe ich einen Menschen, der stirbt, an eine Maschine an, dann unterbreche ich diesen Vorgang. Ich verhindere, dass er sein Sterben erleiden kann. Pumpe weiter, damit eben jene untrüglichen Zeichen des Gestorbenseins nicht frühzeitig eintreten können.

Aus sachlich-medizinischer Sicht ist dies einfach eine Notwendigkeit. Aus meiner Sicht und meiner Erfahrung, aus dem, was ich gesehen, erlebt und verstanden habe, ist es ein Akt, der das Sterben unterbricht. Ich habe keine Ahnung, ob und was dies für einen Sterbenden bedeutet. Ich war noch nie in seiner Situation. Ich bin überzeugt davon, dass die willkürliche Festlegung eines Todeszeitpunktes das Sterben in ein ebenso willkürliches Vorher und Nachher unterteilt und ich wünsche mir, dass wir darüber sprechen.

 

Wichtige Nachsätze

Wer sich in diesem Moment in einer verzweifelten Situation befindet, für sich selbst oder andere auf eine Organspende hofft, wird mir diese Zeilen vielleicht um die Ohren hauen wollen. Das ist verständlich. Ich bin Mutter. Stelle ich mir vor, mein Kind wäre in einer solchen Situation, nun, ich weiß nicht, was ich täte. Sehr wahrscheinlich würde ich es retten wollen, um jeden Preis.

Und doch bin ich der Meinung, dass wir uns schmerzhaften Wahrheiten nicht verschließen dürfen, auch wenn sie den Ablauf stören, wenn sie uns beunruhigen. Wenn sie ein Zögern in unser Handeln bringen, in unseren dringlichen Wunsch, zu helfen.

Wir leben in einer Zeit, in der es viele solcher Dilemmata auszuhalten gilt. Für mich ist es wichtig, eine Haltung zu gewinnen, auch wenn ich anschließend einen anderen Weg wähle. Ich schreibe also diese Zeilen nicht, um irgendjemandem zu sagen, was er tun soll. Wer wäre ich auch, mir so etwas herauszunehmen. Aus meinen Ausführungen lässt sich kein Handlungsimperativ ableiten. Ich weiß keine Lösung und keinen Rat für ein Dilemma von vielen, die wir selbst geschaffen haben.

Das Einzige, worum ich bitten kann, ist, die Begrifflichkeiten so sauber zu halten wie das chirurgische Besteck. Den Tod nicht zu verwechseln mit einem irreversiblen Moment. Und den Todeszeitpunkt nicht zu definieren, ohne zu bedenken, was mit ihm einhergeht: das Sterben. So gesehen bin ich mittlerweile schon froh, über eine veränderte Fragestellung, die anfänglich das blanke Entsetzen in mir auslöste. Die nicht mehr lautet: Wann ist der Mensch tot? Sondern: Wann ist der Mensch tot genug?

 

„Der Tod ist ein End der Lebendigen, ein Anfang der Sterbenden“ diese neue Botschaft überbrachte E. Rosario in seiner „Ars Bene Moriendi. Das ist: Kunst wol zu sterben“. Eine der vielen Schriften der Neuzeit, in denen die Verschiebung der Grenzen zwischen Leben und Tod meiner Ansicht nach deutlich zum Ausdruck kommt. Der Tod wurde sichtbar, b e v o r ein Mensch gestorben war.

In der Publikation „Die Angst vor dem Dunkel des Brunnens“ habe ich mich ausführlich mit dieser Thematik befasst. 

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