Brisenstimmung

Biene bloggt

Monat: März 2020

Rettet Corona die Welt? Oder auch: Was darf Satire?

 

Eine kleine Verteidigung eines großartigen Satire-Videos des Bohemian Browser Balletts

Kaum war das neuste Video des Bohemian Browser Balletts veröffentlicht, gab es gewaltige Schelte und bitterböse Kommentare. Stein des Anstoßes: Im Video wird behauptet, das Corona-Virus sei so fair wie gerecht und möglicherweise die Rettung unseres Planeten, da es die Alten hinwegrafft und die Jungen weiterleben lässt. Darüber hinaus seien vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, wie sie für die fetten Wohlstandsnationen typisch sind.

Was, wie schon zuvor das Umweltsau-Lied des WDR-Kinderchors, als Satire gemeint war, wurde seiner Aussage nach für bare Münze genommen. Und wieder einmal stellte sich die bereits oft diskutierte Frage: Was darf Satire?

„Alles“, lautete einst die Antwort eines Kurt Tucholsky. Aber diese Antwort allein wird als nackte Tatsache dem Genre Satire nicht gerecht. Und sie verschweigt die wesentliche Frage, die auch schon Tucholsky seinem kurzen Artikel über die Satire voranstellte, nämlich die nach dem Zweck der Satire und dem Charakter des Satirikers. Auf einen Nenner gebracht:  Was will Satire?

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KONKORDANZ STATT KONKURRENZ

Politik umgestalten, statt das Land dem zermürbenden Chaos zu überlassen

Alle reden über ein Virus und darüber, wie viel Toilettenpapier ein Einzelner horten muss, um für zwei Wochen in Ruhe sein Geschäft erledigen zu können. Derweil ist nicht nur der Gesundheitsbetrieb im Lande bedroht, sondern unsere Demokratie steht auf dem Spiel. Die Angriffe erfolgen nicht allein aus dem rechten Lager, sondern von allen Seiten.

Man zermürbt sich gegenseitig in Grabenkämpfen und Polarisierungen, versucht, den jeweils anderen zu blockieren und zu diffamieren, schließt dann letztendlich halbherzig Koalitionen, um nur ja irgendwie weiterregieren zu können. Mit dem Ergebnis, dass Minderheiten darüber entscheiden, wer sich wo durchsetzt oder die Politik der „anderen“ blockieren und lahmlegen, sodass eine wachsende Zahl an Wählern oder potenziellen Wählern den Sinn von Wahlen grundsätzlich anzweifelt. In diesem Beitrag lege ich dar, warum es Zeit wird, umzudenken und Konkordanz statt Konkurrenz zu wagen.

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Buchbesprechung: Rūdolfs Blaumanis: Im Schatten des Todes. Novelle.

 

Herausgegeben von Rolf Füllmann. Verlag hochroth: 2014.

14 Fischer und zwei Pferde befinden sich auf dem Eis in der Bucht von Riga. Die Männer werfen ihre Netze aus und bemerken erst zu spät, dass sich die Scholle, auf der sie stehen, vom Ufer gelöst hat und aufs offene Meer zutreibt. Einer versucht noch ans Ufer zu kommen, ertrinkt aber in dem eiskalten Wasser.

Die übrigen Männer finden sich in kleinen Gruppen zusammen, beratschlagen, was zu tun ist, erzählen sich von ähnlichen Vorfällen, die mehr oder weniger gut ausgegangen sind. Bis einem einfällt, dass in der Region schon einmal eine Gruppe von Menschen „verschollen“ ist.

Alle schwiegen und wagten nicht, einander anzusehen, denn in großem Unglück schämt sich der Mensch ebensosehr, wie in großer Schmach“, kommentiert der Erzähler, der uns von diesem Ereignis berichtet. Ein knapper Kommentar, der dennoch von einer tiefen Menschenkenntnis zeugt, die sich in rationalen Erwägungen nicht erschöpft. Schließlich – warum sollten wir uns schämen, wenn wir unschuldig in Gefahr geraten?

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Buchvorstellung: Junge Dichtung aus Lettland. Zweisprachiges Lesebuch (Deutsch/Lettisch).

Übersetzungen von Kristaps Grasis. Herausgegeben vom Verlag hochroth, Riga 2013.

Was zeichnet die Dichtung eines Landes, einer Sprache aus? Gibt es Gemeinsamkeiten, ein verbindliches Thema? Als Rezensentin muss ich mich vielleicht gerade vor verallgemeinernden Aussagen hüten, die letztlich nur zeigen, was ich wahrgenommen, welchen Gedichten und Geschichten ich besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Die Lektüre dieses kleinen, aber vielseitigen Gedichtbandes mit Werken zeitgenössischer Dichter und Dichterinnen aus Lettland bestätigt mir das einmal mehr. Denn es ist schwierig, Dichtung zu interpretieren, die so eng an die Sprache und Geschichte eines Landes geknüpft ist, dem man sich so nahe fühlt und von dem man doch so wenig weiß. Ich hoffe also, den Gedichten, die ich Euch hier in Auszügen vorstelle, nicht zu sehr meine eigene Sichtweise und Interpretation übergestülpt zu haben.

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