Brisenstimmung

Biene bloggt

Autor: Sab (Seite 1 von 5)

Rezension: Toni Garber: Lifeline Games 1. Kindle E-Book: 2019.

 

Das Buch wurde mir im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks vom Autor kostenlos zur Verfügung gestellt.

In diesem Jugendbuch, das laut Cover für Leser ab 12 Jahren geeignet ist, werden überwiegend zwei Handlungsstränge verknüpft: Da ist zum einen der Protagonist Simon, 13 Jahre alt. Simon ist seit einem Autounfall, bei dem sein Vater ums Leben kam, auf einen Rollstuhl angewiesen. Zwischen ihm und seiner Mutter besteht ein besonders inniges Verhältnis.

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Die Banalität des Bösen oder: Heute schon deinen Traumurlaub geplant?

 

Kaum eine Schrift über die Täter des Nationalsozialismus hat mich so berührt wie Hannah Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess in Jerusalem, dem sie den Untertitel „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ gab.

Arendt beschreibt Eichmann als einen „administrativen Massenmörder“, dessen Handlungen aus purer Gedankenlosigkeit und dem Wunsch resultieren, innerhalb einer industriellen und automatisierten Tötungsmaschinerie „gute Arbeit“ abzuliefern und Karriere zu machen.

 

Die Sprache der Gedankenlosigkeit: Superlative und erhebende Phrasen

Seine Sprache und damit auch seine Gedanken beschränkten sich auf „erhebende Phrasen“, Klischees, Redensarten und die Verwendung von Superlativen für Worte, die keinen haben – in „keinster Weise“. Letztlich führte ihn dieses leere Gerede auch zur Flucht in eine Amtssprache, hinter der er sich verstecken konnte, die ihn von jeglicher Mittäterschaft freisprach. „Wenn ich es nicht tue, tut es eben ein anderer“, lautete wohl sein Credo.

An diese „Banalität des Bösen“ musste ich im Dezember 2019 denken, als mir online die Anzeige eines Reiseveranstalters auffiel. Diese forderte dazu auf, für eine Besichtigung des Museums und der Lager von Auschwitz jetzt „Ihre Traumreise“ zu planen, und zwar zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön …

Oder auch: Wer die Bahn nicht kennt, kennt Deutschland nicht

Einmal Bremen-Detmold und zurück – das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir. Und freute mich schon auf das verlängerte Arbeitswochenende mit einer Kollegin, das wir seit Langem geplant hatten. Google Maps zeigte mir an, dass die kürzeste Strecke mit dem Auto sich auf gerade mal 168 Kilometer beläuft. Nur fahre ich nicht Auto, ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Ich bin quasi der fleischgewordene Klimaschutz. Also suchte ich mir eine Zugverbindung heraus. Was dann geschah und warum ich seit gestern Land und Leuten wieder ein wenig näher gekommen bin, erzähle ich im folgenden Bericht.

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Krieg den Masern?

Oder: Warum Pro-und-Contra-Debatten über das Impfen nur überhitzter Müßiggang sind

„Du bist doch wohl keine Impfgegnerin?“

Ehrlich gesagt hat es mir neulich fast die Sprache verschlagen, als mir diese Frage gestellt wurde. Vermutlich hätte der Fragesteller mir sofort die Freundschaft gekündigt, wenn ich „doch“ geantwortet hätte. Aber ich konnte ihn beruhigen. Ich bin weder Gegnerin noch Befürworterin. Ich halte stattdessen diese ganzen Pro-und-Contra-Debatten für eine Art des überhitzten Müßiggangs. Sie führen zu nichts, vor allem nicht dazu, sich der Voraussetzungen unseres Denkens und Handelns bewusst zu werden. Und genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag, in dem ich für eine veränderte Auffassung von Krankheit und eine  Veränderung unserer Fragestellungen und Sichtweisen plädiere.

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Lese- und Medienliste zum Roman Objektiv von Sabine Walther

In meinem neuen Roman „Objektiv – Nutze die Zeit, bevor sie dich benutzen“ versucht der Protagonist, Alexander Weinberg, eine sogenannte Empathie-Brille zu entwickeln. Mithilfe dieser Brille sollen Gaffer und Gewalttäter therapiert werden, sodass sie Empathie mit den Opfern empfinden. In dieser Lese- und Medienliste habe ich Euch Literatur und Videos zusammengestellt, die Einblick in die Hintergründe der verschiedenen Themenbereiche des Romans geben.

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Rezension. Alexander Grau: Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität. München, Claudius-Verlag, 2019.

Politischer Kitsch hat Hochkonjunktur“, so lautet die einleitende These des Philosophen Alexander Grau in seinem 2019 erschienenen Essay. Kitsch definiert er darin als eine „Lüge“, da dieser „behauptet, etwas zu sein, was er nicht ist. Und er gibt vor, einen Wert zu haben, der ihm nicht zukommt.“ Damit ist natürlich nicht die kleine Engelsfigur gemeint, die vor Herzchen drapiert den Wohnzimmeraltar verschönert. Grau spricht vom politischen Kitsch, der sich als reflektierte Meinung, als Kampf gegen das Böse, Ungerechte oder auch als Ultima Ratio ausgibt.

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Rezension: Nina Pfeffer Câmara und George Pfeffer: Daddy. Weltbürger wider Willen.

Es ist der 3. Juli 1910 als George Pfeffer als Sohn einer jüdischen Mutter in Breslau geboren wird. Wenige Jahre vor dem ersten und zu wenige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg und der kaum sagbaren Barbarei des deutschen Nationalsozialismus.

118 Jahre später erzählt uns seine Tochter, Nina Pfeffer Câmara, die Geschichte ihres Daddys. Kurz und knapp, atmosphärisch dicht, im beständigen Wechsel zwischen der Sicht der Tochter auf den sterbenden Vater und dessen schriftlich festgehaltenen Erinnerungen.

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Juli Zeh: Corpus Delicti. Ein Prozess. Rezension …

… nebst einem kleinen gewagten Rundumschlag in Sachen Gesundheitspolitik.

Erst nannten wir es Christentum, dann Demokratie. Heute nennen wir es METHODE. Immer absolute Wahrheit, immer das reine Gute, immer das zwingende Bedürfnis, die ganze Welt damit zu beglücken. Alles Religion. Weshalb sollte sich ein Ungläubiger wie Sie für eine Spielart des immer gleichen Irrtums stark machen?“

Mit diesen Gedanken konfrontiert die Protagonistin Mia Holl aus Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ ihren Widersacher, Heinrich Kramer, der die Provokation erkennt, aber dennoch verspricht, Milde walten zu lassen. Wie überhaupt fast alle in diesem Buch so unfassbar bemüht sind, das Gute, das Richtige, das Verständige zu tun, auch wenn es letztlich dazu führt, dass Unschuldige sterben und sich Fortschritt, Aufklärung und Mitleid in eine düstere Triade verwandeln, der sich das Individuum zu beugen hat. Denn wo alle einer Methode folgen, die einzig und allein das Richtige vorgibt, da wird jeder Fehler, jeder Ausbruchsversuch aus dem Rationalen zur Ketzerei.

Gesundheit ist das höchste Gut der METHODE in Juli Zehs Roman. Gibt es aber nicht auch ein Recht auf Krankheit? Darf sich der Einzelne der ihm per Gesetz verordneten Gesundheit entziehen? Müssen wir alle auf ewig gesund, glücklich und ausgeglichen sein, wenn man uns die Möglichkeiten dazu an die Hand gibt?

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Gastbeitrag: Gerda Greschke-Begemann rezensiert Timo Daums „Die künstliche Intelligenz des Kapitals“.

Vor einiger Zeit habe ich euch hier im Blog meine Lesart des genannten Buches vorgestellt. Zur selben Zeit bat ich die Autorin Gerda Greschke-Begemann um ihre Meinung, da ich weiß, dass sie viele Aspekte, die darin angesprochen werden, besser beurteilen kann als ich. Gerda hat mir ihr Fazit als Kommentar zukommen lassen – aber ich finde ihn viel zu gut, um nur als „Nachsatz“ unter meinem Beitrag zu erscheinen, denn es handelt sich um eine eigenständige Rezension aus der Feder einer erfahrenen Schreiberin und Leserin, die ich daher nun dankbar als Gastbeitrag an dieser Stelle veröffentliche.

 

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Neuerscheinung: Objektiv. Nutze die Zeit, bevor sie dich benutzen. Ein Roman von Sabine Walther.

Zwei Jahre ist es her, dass ich die erste Zeile schrieb. Damals befand sich am Bremer Hauptbahnhof noch eine Baugrube, die Überseestadt glich einem unaufgeräumten Parkplatz und manches von dem, was mein Protagonist zu erfinden gedachte, gab es noch nicht. Niemals ist mir so sehr die Zeit davongelaufen wie in diesen zwei Jahren, in denen es mir vorkam, als würde sich die Welt gerade komplett neu erfinden.

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