Teil 1: Glauben

 

Atem Sein

Wenn dieser Kutter eines Wortes Leib – 

und ich im Ursprung Atem bin

wenn dieses Meer, durch das ich treib,

durchflutet wird von Deinem Sinn,

 

wenn die Gezeiten, die mich tragen,

nur Zeugnis meines Flusses sind,

wenn in den Stürmen, die mich jagen,

den Hauch von Deiner Kraft ich find,

 

wenn all mein Wehen und mein Klagen

dem Sog nicht widerstehen kann,

wenn dieses feucht-verheulte Zagen

von Dir hinweggespült wird, dann –

 

ist Glaube möglich, weil die Klippen Wahn

und Steinzeit meiner Ängste sind,

ist Glaube möglich, weil der morsche Kahn

noch immer schifft im Gotteswind.

 

 

Teil 2: Lieben

 

Liebe Illusion Liebe

Atmender Duft der verstreichenden Zeit

im hastlosen Warten des Leibes

wird unberührtes Verlangen

zu bleibender Seligkeit.

 

So möchte ich fern sein von Dir:

Im Feuer verloschener Asche

verbrannt mein Begehren.

 

Im kühlenden Dunkel durchwachter Nacht

ein endloses Weichen der Schwere

wird tröstender Schmerz mir, der lacht

über das Tosen versandeter Meere.

 

 

Teil 3: Leiden

 

 

Hektischer Fortschritt

Unter Schnee verborgen

sollten die Gräser noch ruhen,

doch hektisch schon zieht überhitzter Morgen

aus prall gefüllten nächtlichen Truhen

sein herrisches Dasein hervor,

will Gräser und Blumen,

mitten im Winter,

die blühen, verblühen, verwelken zu früh,

bevor sie im Abfall ersticken.

 

Kinder schreien sich taub.

Niemals durften sie ahnen,

was rein war und reifte

in eigener Zeit.

 

 

 

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Teil 4: Hoffen

 

Hoffen auf das letzte Wort

Nun hast im unerhörten Wort

du auch die letzte Stund verbracht,

in schwacher Hülle, krankem Hort,

im Dunkel halb verlebter Nacht.

 

Der Klang, der dich bald warm umhüllt,

ist endlos weit und tief,

derselbe Ton, der ihn erfüllt,

stammt von dem einen, der dich rief.

 

Hörst du der Stimme Schweigen?

So wirf die Furcht doch fort!

Und horch, ein stiller Reigen

erklingt an deinem Ort.

 

Lausch auf die Pausenharmonie,

nicht auf den Höllenklang,

erhasch des Wesens Melodie

wird dir in dieser Stunde bang.

 

Lob deinem Geist, der diesen Ton

in tausendfachen Farben singt,

damit er bald, du ahnst es schon,

gestaltfrei rundum neu erklingt.