Die Angst vor dem Dunkel des Brunnens. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Literatur, auf der Suche nach der Grenze zwischen Leben und Tod. Erschienen als E-Book (EUR 23,99) und als Taschenbuch (EUR 35,99) im Grin-Verlag.

  • ISBN-10: 364082640X
  • ISBN-13: 978-3640826407

 

 

Berichte über sogenannte Nah-Todeserfahrungen sind heute in aller Munde und zahlreiche Menschen sind davon überzeugt, den Tod überlebt zu haben. Tatsächlich basiert eine solche Interpretation jedoch auf einer falschen Grenzziehung zwischen Leben und Sterben, Sterben und Tod, die sich nicht nur im Alltag, sondern auch in solchen Konstrukten wie dem Begriff des “Hirntodes” ausgebreitet hat.

Denn der Tod, vor dem man sich heute so fürchtet, ist nicht mehr der grässliche Schnitter, der einen hohnlachend um die Ecke bringt. Und es ist auch nicht Lessings schläfriger Genius, der uns ins Jenseits hinüberwiegt. Der moderne Tod ist ein Wechselbalg, das sich selbst überholt hat: Er steht vor dem Ende des Sterbens mitten im Leben; er setzt Zeichen an Menschen, die nicht sterben, sondern ableben; er kulminiert schließlich in einem Todes-Fall, der als Vorab-Tod definiert werden kann.

Erst mit Beginn der Neuzeit, das ist die Erkenntnis, zu der ich nach einem ausgiebigen Streifzug durch die deutschsprachige Literatur kam, konnte der Tod eines Menschen bereits gesehen werden, bevor dessen Sterben ganz beendet war.

Dem bis dahin einzigartigen konkreten (biologischen) Tod wurden neue Konzepte an die Seite gestellt, die ihn in einen erwarteten, vor- oder unzeitigen Tod verwandelten. Insbesondere seit dem Ausbruch der großen Pestwellen kann der Tod als personifiziertes Wesen erscheinen, das nicht am Ende des Lebens steht, sondern in das Leben einbricht und sich über alle Gewohnheiten und Dinge des Alltags ausbreitet. Bis der Tod schließlich ganz ins Leben hineingerückt ist und sich vor das Sterben gestellt hat, sodass Kranke bereits als Sterbende und Sterbende bereits als Tote wahrgenommen werden können.

Es handelt sich um eine Überarbeitung meiner Dissertationsschrift. Das Buch lag und liegt mir so sehr am Herzen, dass ich es 2021, wenn ich die Rechte am Manuskript vom Grin-Verlag zurückerhalte, ein weiteres Mal gründlich überarbeiten und zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt bringen werde.

 

INHALT

EINLEITUNG

  1. DAS LICHT AM ENDE DES TUNNELS?
    1. Sterben als Erleben der Entgrenzung
    2. Ein Sterbender werden
    3. Im Geisterreich der Dichtung
  2. BRUNNEN IM LICHT: Sterben und Grenzerfahrung in der Literatur des (frühen) Mittelalters
    1. Christliche Literatur
    2. Grenzerfahrung und Sterbemoment in nichtchristlicher Literatur
    3. Memento mori!
    4. Machen wir die Seele frei: Entfesselung im Übergang

III. TAUMELND ZUM LICHT: erzählende Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts
1. Höfische Epik: Dichtung als Selbsteingrenzung.
2. Mystik und Vision
3. Wundermacher

IV. DIE ANGST VOR DEM DUNKEL DES BRUNNENS: „Vorplatzierung“ des Todes im Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit

1. Der erwartete Tod
2. Bindung der Angst des erwarteten Todes an alltägliche Erfahrungen
3. Sichtbarmachung des vorab gesehenen Todes
4. Die Ungewissheit des unzeitigen Todes
5. Einkörperung des unzeitigen Todes
6. Kommunikation der Abwesenheit
7. Ars Moriendi: der Tod als Unterbrechung des Sterbens

 

V. DAS 19. JAHRHUNDERT: die Entdeckung der Langzeit-Sterbenden
1. Lessings verhängnisvolle Polemik
2. Romantik: von der ereignislosen Idee
3. Goethe: „Konstruierung“ und Dementierung des Sterbenden
4. Kleist: Konkretes Ereignis und geistige Analogie
5. E. T. A. Hoffmann: Der Automatenpark
6. Der medizinische Tod: Sehnsucht nach Gewissheit

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Eine ausführliche Leseprobe findet ihr auf den Seiten des grin-Verlages. Da ich das Buch aber gern auch all jenen zugänglich machen möchte, die nicht Literaturwissenschaften studiert haben, werde ich in absehbarer Zeit eine überarbeitete Fassung bereitstellen. Schaut also einfach mal wieder rein!