Erhältlich als E-Book (EUR 8,99) und als Taschenbuch (EUR 12,99).

 

Studienarbeit aus dem Jahr 1994 im Fachbereich Kulturwissenschaften. 

Inzest als Begriff eines historischen (Macht-)Diskurses von [Walther-Vuskans, Sabine]

Im Folgenden möchte  ich einen Einblick in die Geschichte des Begriffs „Inzest“ als Teil öffentlicher Diskurse geben. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es hier nicht darum geht, das Problem des Inzests oder des sexuellen Missbrauchs inhaltlich selbst darzustellen oder zu erörtern. Es geht mir einzig und allein darum, festzustellen, in welcher Weise Inzest und sein Vorläufer, die „Blutschande“ öffentlich behandelt wurden; welche Institutionen und institutionellen
Mächte sich mit dem Thema befassten und welche Fragen bzw.
Schwerpunkte sie dabei in den Vordergrund stellten. […]

 

Ein kleiner Textauszug:

“Bis ins 12. Jahrhundert hinein wurde Inzest in direkter Linie unter anderem darum abgelehnt, weil er zur Schwächung elterlicher Autorität führe. Erst 1275 wurde dann zum ersten Mal der widerrechtliche Geschlechtsverkehr mit einem Kind als Delikt formuliert; die Krone (Edward I.) begann Interesse an Vergewaltigungs-fragen zu zeigen; die Zuständigkeit des Königs wurde ausgedehnt, er selbst wurde zum Kläger, auch dort, wo die Frau von ihrem Klagerecht keinen Gebrauch machen wollte. Vergewaltigung wurde 1285 zum Kapitalverbrechen, auf das Todesstrafe stand, erklärt.[10] Damit war es nicht mehr Angelegenheit familiärer Rache, sondern wurde zu einer Frage der öffentlichen Sicherheit, Frau und Kind wurden in den Stand öffentlichen Besitzes gehoben.”

Eine ausführlichere Leseprobe findet ihr auf den Seiten des Grin-Verlages.

GLIEDERUNG

Vorbemerkung

I. Begriffs(ver)formungen: Blutschande und Inzest, Gesetz und Tabu
I.1 Von der Blutschande zum Inzest
I.1.1 Contumelia sanguinis
I.1.2 Ausdehnung des Inzestverbots ab dem 11. Jahrhundert
I. 2 Vom Gesetz zum Tabu: Inzest als Naturgesetz und natürliches Begehren

II. Vom Missbrauch der Inzestualisierung
II.1 Inzest als wissenschaftliche Tatsache
II.2 Inzest als „volksdeutsches“ Problem
II.2.1 Missbrauch als Regel
II.2.2 Missbrauch als Berechnung

III. Genetische und psychologische Ansätze der 50er und 60er Jahre
III.1 Inzest bei Kriegsheimkehrern als psychologisches Problem
III.2 Erbgenetische Fragestellung und Diagnostik