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Mütter um 1800. Oder: Von der ambivalenten zur biologischen Mutter. Versuch einer  Annäherung von [Walther-Vuskans, Sabine]

 

Essay aus dem Jahr 1996 im Fachbereich Germanistik.

Veranstaltung: Mündliche Abschlussprüfung, Note: sehr gut. Universität Bremen, 1996.


Die schriftliche Ausarbeitung wurde bewusst in einem essayistischen, teilweise ironischen Stil vorgenommen.

 
Sophie von La Roche: die sich selbst erfindende Mutter
Alle mütterlich deutsche Literatur des behandelten Zeitraums muss zunächst voneinem Namen ausgehen: Sophie von La Roche. Sophie, von der Germanisten bis in das 20. Jahrhundert hinein schwärmten, die sie lobend in einem Atemzug mit den Freunden „einer genügende, umfassenderen Bildung unserer weiblichen
Jugend“ erwähnen.


La Roche hat drei Töchtern, zwei Söhnen und einem Teil der
Schriftstellergeneration ihrer Zeit Leben und Lebendigkeit gewidmet und geschenkt. Mutter den Kindern, Mutterersatz den Schreibern, Gefährtin dem Ehemann, Geliebte dem fernen Wieland, Gesellschaftsdame – und was sonst mag sie gewesen sein außer der einen, die uns überliefert ist, der Schriftstellerin,
Sophie von La Roche.

Wie soll ich, ein „moderner Single“, eine solche überlieferte Sophie, Nabel einer Welt, die sie selbst geschaffen, genährt, unterhalten und beschrieben hat, bloß lesen? Wie soll ich es verstehen, wenn sie
selbst ihre schriftstellerische Tätigkeit nur als „Frucht der Schmerzen“ betrachtet, aus dem Umstand geboren, die eigenen Töchter nicht selbst erziehen zu dürfen?


Ich will versuchen, mich einer Dame anzunähern, der „alle Türen offen stehen“ und die doch gern bereit wäre, sie zuzuschlagen, dürfte sie darum nur Mutter sein. Und sollte es mich Kopf und Kragen kosten: Ich will einmal versuchen, meine feministisch trainierte Urteilskraft zurückzuhalten, um zu lesen, zu hören, zu verstehen, was La Roche wohl in Aussicht stand, wenn sie auf dem Wunsch, zumindest ersatzweise eine „papierne Tochter“ erziehen zu dürfen, beharrte.

Ich setze also voraus, dass es sich weder um eine „Identifikation mit dem männlichen Unterdrücker“ handelt, noch um den Tribut, den sie der Konvention zu zahlen bereit ist , wenn Sophie so klar zu verstehen gibt, dass sie die Tugend des Mutter-Seins im Grunde über alle Freuden und Pflichten ihres Lebens stellte. […]

Eine ausführlichere Leseprobe findet ihr auf den Seiten des Grin-Verlages.

 

Gliederung

I. Sophie von La Roche: die sich selbst erfindende Mutter
Das Fräulein von Sternheim: die nacheifernde Tochter-Mutter

II. Die Übertragung mütterlich-weiblicher Eigenschaften auf den Sohn
Reduzierung des weiblichen Mutter-Seins auf eine biologische Bestimmung

III. Veränderungen der Mutterrolle
a) Die schöpferische Mutter
b) Die sehnende Mutter
c) Die biologische Mutter als Tochter eines weiblichen Gatten

IV Versuch der Kompensation
Die anarchistische M