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Zur Mündlichkeit Grimm'scher Märchen von [Walther-Vuskans, Sabine]

 

Essay aus dem Jahr 1996 im Fachbereich Kulturwissenschaften.  

Bei der Wahl des Prüfungsthemas war ich davon ausgegangen, dass zu der Frage der Mündlichkeit Grimm’scher Märchen eine große Zahl von Forschungsarbeiten vorliegen würde – und stellte mir vor, dass es ziemlich einfach sein würde, diese zusammenfassend und mit Bezug auf das Thema darzustellen.

Meine Überraschung war dann um so größer, als ich feststellen musste, dass die Mündlichkeit Grimm’scher Märchen nun zwar seit etwa 200 Jahren Untersuchungsgegenstand von Philologen und Erzählforschern ist, dass aber zu keiner Zeit davon ausgegangen wurde, dass die Grimm’schen Märchen tatsächlich
unter der Kategorie „Mündlichkeit“ – oder wie die modernen Bezeichnungen lauten würden – der “oral history, der Erzählforschung, der Narrativistik” zu fassen sind.

In all der Deutungs- , Bedeutungs- und Interpretationsforschung war doch eines von Anfang an immer klar: Nämlich dass es eine Mündlichkeit Grimm’scher Märchen im Sinne einer authentischen Überlieferung niemals gegeben hat.

Darin besteht das erste Paradox, mit dem ich mich also zu befassen hatte: dass die Mündlichkeit der Märchen seit gut 200 Jahren Untersuchungsgegenstand ist, obwohl niemand jemals an sie geglaubt hat; denn es scheint höchst unwahrscheinlich, dass die Grimm’schen Märchen überhaupt jemals mündlich erzählt wurden, bevor die Grimms sie schriftlich fixierten. […]

GLIEDERUNG

I. Mündlichkeit?
I.1 Intention der Brüder Grimm
I.2 Grimms Märchen als Forschungsgegenstand

II. Eigenarten mündlicher Rede: Ambivalenz und Proportionalität
II.1 Ambivalenz
II.2 Proportionalität
II.3 Nicht-Vergleichbarkeit von schriftlicher und mündlicher Erzählkunst

III. Erzählforschung darf nicht nach den Gesetzen der Verschriftlichung urteilen

Literaturverzeichnis