Biene bloggt

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„Cancel Culture“: Vom Instrument der Machtlosen zum missbrauchten Machtmittel?

 

Heute machte mich meine Tochter auf einen Begriff aufmerksam, der bisher an mir vorbeigegangen war: Cancel Culture. Der Begriff umschreibt, dass eine Person, die sich politisch unkorrekt verhalten oder geäußert hat, in der Öffentlichkeit nicht mehr stattfinden soll. Dies geschieht über ein öffentliches Anprangern, meist in den Social Media, über Boykott-Aufrufe, indem die Person nicht mehr zu Veranstaltungen eingeladen wird und dergleichen mehr.

Ursprünglich galt Cancel Culture als Instrument der Machtlosen, also derer, die aufgrund einer persönlichen Eigenschaft diskriminiert werden – weil sie schwul oder dunkelhäutig sind beispielsweise. Mittlerweile hat die Sache aber Ausmaße angenommen, die selbst einem Machtmissbrauch gleichkommen, wenn nämlich eine Vorverurteilung ohne Überprüfung stattfindet und bestimmte Gruppen darüber entscheiden wollen, wer was wie formulieren und welche Meinung vertreten darf.

Komplett absurd wird es, wenn Personen für einen „Fehltritt“, den sie irgendwann in der Vergangenheit einmal begangen haben, gecancelt werden sollen – als Beispiel lässt sich hier der kanadische Premier Justin Trudeau benennen. Diesem wurde 2019 Rassismus vorgeworfen, weil er sich 2001 im Karneval als Aladdin verkleidet und das Gesicht geschwärzt hatte. Welch denkwürdiger Zufall, dass dies ausgerechnet im Wahlkampf geschah.

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Rettet Corona die Welt? Oder auch: Was darf Satire?

 

Eine kleine Verteidigung eines großartigen Satire-Videos des Bohemian Browser Balletts

Kaum war das neuste Video des Bohemian Browser Balletts veröffentlicht, gab es gewaltige Schelte und bitterböse Kommentare. Stein des Anstoßes: Im Video wird behauptet, das Corona-Virus sei so fair wie gerecht und möglicherweise die Rettung unseres Planeten, da es die Alten hinwegrafft und die Jungen weiterleben lässt. Darüber hinaus seien vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, wie sie für die fetten Wohlstandsnationen typisch sind.

Was, wie schon zuvor das Umweltsau-Lied des WDR-Kinderchors, als Satire gemeint war, wurde seiner Aussage nach für bare Münze genommen. Und wieder einmal stellte sich die bereits oft diskutierte Frage: Was darf Satire?

„Alles“, lautete einst die Antwort eines Kurt Tucholsky. Aber diese Antwort allein wird als nackte Tatsache dem Genre Satire nicht gerecht. Und sie verschweigt die wesentliche Frage, die auch schon Tucholsky seinem kurzen Artikel über die Satire voranstellte, nämlich die nach dem Zweck der Satire und dem Charakter des Satirikers. Auf einen Nenner gebracht:  Was will Satire?

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KONKORDANZ STATT KONKURRENZ

Politik umgestalten, statt das Land dem zermürbenden Chaos zu überlassen

Alle reden über ein Virus und darüber, wie viel Toilettenpapier ein Einzelner horten muss, um für zwei Wochen in Ruhe sein Geschäft erledigen zu können. Derweil ist nicht nur der Gesundheitsbetrieb im Lande bedroht, sondern unsere Demokratie steht auf dem Spiel. Die Angriffe erfolgen nicht allein aus dem rechten Lager, sondern von allen Seiten.

Man zermürbt sich gegenseitig in Grabenkämpfen und Polarisierungen, versucht, den jeweils anderen zu blockieren und zu diffamieren, schließt dann letztendlich halbherzig Koalitionen, um nur ja irgendwie weiterregieren zu können. Mit dem Ergebnis, dass Minderheiten darüber entscheiden, wer sich wo durchsetzt oder die Politik der „anderen“ blockieren und lahmlegen, sodass eine wachsende Zahl an Wählern oder potenziellen Wählern den Sinn von Wahlen grundsätzlich anzweifelt. In diesem Beitrag lege ich dar, warum es Zeit wird, umzudenken und Konkordanz statt Konkurrenz zu wagen.

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Die Banalität des Bösen oder: Heute schon deinen Traumurlaub geplant?

 

Kaum eine Schrift über die Täter des Nationalsozialismus hat mich so berührt wie Hannah Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess in Jerusalem, dem sie den Untertitel „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ gab.

Arendt beschreibt Eichmann als einen „administrativen Massenmörder“, dessen Handlungen aus purer Gedankenlosigkeit und dem Wunsch resultieren, innerhalb einer industriellen und automatisierten Tötungsmaschinerie „gute Arbeit“ abzuliefern und Karriere zu machen.

 

Die Sprache der Gedankenlosigkeit: Superlative und erhebende Phrasen

Seine Sprache und damit auch seine Gedanken beschränkten sich auf „erhebende Phrasen“, Klischees, Redensarten und die Verwendung von Superlativen für Worte, die keinen haben – in „keinster Weise“. Letztlich führte ihn dieses leere Gerede auch zur Flucht in eine Amtssprache, hinter der er sich verstecken konnte, die ihn von jeglicher Mittäterschaft freisprach. „Wenn ich es nicht tue, tut es eben ein anderer“, lautete wohl sein Credo.

An diese „Banalität des Bösen“ musste ich im Dezember 2019 denken, als mir online die Anzeige eines Reiseveranstalters auffiel. Diese forderte dazu auf, für eine Besichtigung des Museums und der Lager von Auschwitz jetzt „Ihre Traumreise“ zu planen, und zwar zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön …

Oder auch: Wer die Bahn nicht kennt, kennt Deutschland nicht

Einmal Bremen-Detmold und zurück – das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir. Und freute mich schon auf das verlängerte Arbeitswochenende mit einer Kollegin, das wir seit Langem geplant hatten. Google Maps zeigte mir an, dass die kürzeste Strecke mit dem Auto sich auf gerade mal 168 Kilometer beläuft. Nur fahre ich nicht Auto, ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Ich bin quasi der fleischgewordene Klimaschutz. Also suchte ich mir eine Zugverbindung heraus. Was dann geschah und warum ich seit gestern Land und Leuten wieder ein wenig näher gekommen bin, erzähle ich im folgenden Bericht.

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Ich mach dann mal den Kohlhaas oder: Wie Strato mit langjährigen Kunden umgeht

13 Jahre war ich Kundin der Strato AG. Jeden Verkauf und jede Gebührenerhöhung – und die fielen nicht gering aus – habe ich ohne Murren hingenommen. Zum Jahreswechsel erhielt ich dann wie viele andere Kunden auch die Information, ich müsse auf PHP 7 wechseln oder, wenn ich bei der älteren Version bleiben wolle, eine monatliche Gebühr in Höhe von € 5,33 für den dann fälligen „extended Service“ zahlen.

 

 

Beim Versuch, die neue PHP-Version einzustellen, kam es zu technischen Schwierigkeiten. Kein Problem, dachte ich, denn Strato hatte angekündigt, dass man binnen 30 Minuten auf die alte Version zurückwechseln könne. Das misslang aber leider, denn mittlerweile hatte mich das System aus Sicherheitsgründen ausgeloggt. Die Sitzung war damit beendet und mein Schicksal besiegelt.

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Läuft bei uns: Chinas „Social Scoring“ vorgestellt in der Bremer Zionsgemeinde.

Über den linken Traum, das chinesische Volk (und das eigene) durch Totalüberwachung umzuerziehen.

Ein Bericht von der Veranstaltung “China heute – Harmonische Gesellschaft oder Überwachungsalbtraum?” am 11.04.2019.

Frohe Botschaften aus Beijing: Die Luft ist rein, die Menschen sind glücklich, die Armut ist besiegt und derzeit diskutieren freie Bürger munter über ein neues Sozialpunktesystem, auf das sich 80 % der (2.200) Teilnehmer einer Umfrage schon wahnsinnig freuen.

So und noch absurder wurde am 11.04.2019 in der Bremer Zionsgemeinde das Social Scoring vorgestellt, das China ab 2020 landesweit einführen wird. Eingeladen hatte laut Gemeindeblatt das Bremer Friedensforum. Tatsächliche Veranstalter waren aber die Studiengruppe China Bremen und das Konfuzius-Institut Bremen sowie weitere sich politisch eher links verortende Gruppierungen.

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Wenn Dir das Lachen im Hals stecken bleibt …

… dann ist nicht immer ein schlechter Witz daran schuld. Ein Kommentar zum Kramp-Karrenbauer-Kalauer und den Reaktionen.  

 

Ich würde im Leben nicht auf den Gedanken kommen, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung abzulehnen. Schwule und Lesben gehörten schon immer zu meinem Freundeskreis. Transsexuelle oder Intersexuelle kenne ich nicht persönlich – sie würden aber ebenso wenig ausgeschlossen. Weil es mir – sexuelle Gewalt in jeder Form ausgenommen – schnurz ist, wer wen liebt oder mit wem jemand in die Kiste steigt.

Was mir zu denken gibt, ist, dass ich eine solche Bemerkung mittlerweile vorausschicken muss. Und dass mehr und mehr Themen, für die liberal, aufgeklärt, freiheitlich denkende Menschen sich mal eingesetzt haben, von Menschen gekapert werden, die wohl auch gern eine Gesinnungsprüfung durchführen würden, bevor sie jemanden in ihren Freundeskreis aufnehmen.

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Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung

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Literarisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen

 

Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur.“

Richard David Precht 

 

Warum wir diese Debatte brauchen, und zwar schon gestern

Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die meist diskutiert werden, wenn es um Digitalisierung geht. Wir alle wissen, dass wir uns in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch befinden. Aber was verstehen wir davon, wie die „digitale Transformation“ uns persönlich verändert und noch verändern wird?

 

Digitalisierung bedeutet nicht einfach, dass wir einen Satz an Methoden und Instrumenten gegen bessere Verfahren austauschen, dass wir optimieren, was sich ansonsten identisch bleibt. Digitalisierung bedeutet, dass wir uns von der Schriftkultur, die unsere Gesellschaft ebenso wie jeden einzelnen bisher geprägt hat, komplett verabschieden.

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