Brisenstimmung

Biene bloggt

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Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön …

Oder auch: Wer die Bahn nicht kennt, kennt Deutschland nicht

Einmal Bremen-Detmold und zurück – das kann doch nicht so schwer sein, dachte ich mir. Und freute mich schon auf das verlängerte Arbeitswochenende mit einer Kollegin, das wir seit Langem geplant hatten. Google Maps zeigte mir an, dass die kürzeste Strecke mit dem Auto sich auf gerade mal 168 Kilometer beläuft. Nur fahre ich nicht Auto, ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Ich bin quasi der fleischgewordene Klimaschutz. Also suchte ich mir eine Zugverbindung heraus. Was dann geschah und warum ich seit gestern Land und Leuten wieder ein wenig näher gekommen bin, erzähle ich im folgenden Bericht.

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Davon geht die Welt nicht unter, wohl aber die Meinungsfreiheit

 

Über den Trend, Likes, Follower und andere soziale Interaktionen zu kaufen.

Likes kaufen, Kommentare kaufen, Abonnenten oder Streams kaufen – für YouTube, Facebook, Spotify oder Instagram und andere Social Media sowie Bewertungsportale – mit diesem Angebot werben seit Jahren zahlreiche Internetagenturen.

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Ich mach dann mal den Kohlhaas oder: Wie Strato mit langjährigen Kunden umgeht

13 Jahre war ich Kundin der Strato AG. Jeden Verkauf und jede Gebührenerhöhung – und die fielen nicht gering aus – habe ich ohne Murren hingenommen. Zum Jahreswechsel erhielt ich dann wie viele andere Kunden auch die Information, ich müsse auf PHP 7 wechseln oder, wenn ich bei der älteren Version bleiben wolle, eine monatliche Gebühr in Höhe von € 5,33 für den dann fälligen „extended Service“ zahlen.

 

 

Beim Versuch, die neue PHP-Version einzustellen, kam es zu technischen Schwierigkeiten. Kein Problem, dachte ich, denn Strato hatte angekündigt, dass man binnen 30 Minuten auf die alte Version zurückwechseln könne. Das misslang aber leider, denn mittlerweile hatte mich das System aus Sicherheitsgründen ausgeloggt. Die Sitzung war damit beendet und mein Schicksal besiegelt.

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Läuft bei uns: Chinas „Social Scoring“ vorgestellt in der Bremer Zionsgemeinde.

Über den linken Traum, das chinesische Volk (und das eigene) durch Totalüberwachung umzuerziehen.

Ein Bericht von der Veranstaltung “China heute – Harmonische Gesellschaft oder Überwachungsalbtraum?” am 11.04.2019.

Frohe Botschaften aus Beijing: Die Luft ist rein, die Menschen sind glücklich, die Armut ist besiegt und derzeit diskutieren freie Bürger munter über ein neues Sozialpunktesystem, auf das sich 80 % der (2.200) Teilnehmer einer Umfrage schon wahnsinnig freuen.

So und noch absurder wurde am 11.04.2019 in der Bremer Zionsgemeinde das Social Scoring vorgestellt, das China ab 2020 landesweit einführen wird. Eingeladen hatte laut Gemeindeblatt das Bremer Friedensforum. Tatsächliche Veranstalter waren aber die Studiengruppe China Bremen und das Konfuzius-Institut Bremen sowie weitere sich politisch eher links verortende Gruppierungen.

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Wenn Dir das Lachen im Hals stecken bleibt …

… dann ist nicht immer ein schlechter Witz daran schuld. Ein Kommentar zum Kramp-Karrenbauer-Kalauer und den Reaktionen.  

 

Ich würde im Leben nicht auf den Gedanken kommen, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung abzulehnen. Schwule und Lesben gehörten schon immer zu meinem Freundeskreis. Transsexuelle oder Intersexuelle kenne ich nicht persönlich – sie würden aber ebenso wenig ausgeschlossen. Weil es mir – sexuelle Gewalt in jeder Form ausgenommen – schnurz ist, wer wen liebt oder mit wem jemand in die Kiste steigt.

Was mir zu denken gibt, ist, dass ich eine solche Bemerkung mittlerweile vorausschicken muss. Und dass mehr und mehr Themen, für die liberal, aufgeklärt, freiheitlich denkende Menschen sich mal eingesetzt haben, von Menschen gekapert werden, die wohl auch gern eine Gesinnungsprüfung durchführen würden, bevor sie jemanden in ihren Freundeskreis aufnehmen.

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Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung

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Literarisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen

 

Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur.“

Richard David Precht 

 

Warum wir diese Debatte brauchen, und zwar schon gestern

Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die meist diskutiert werden, wenn es um Digitalisierung geht. Wir alle wissen, dass wir uns in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch befinden. Aber was verstehen wir davon, wie die „digitale Transformation“ uns persönlich verändert und noch verändern wird?

 

Digitalisierung bedeutet nicht einfach, dass wir einen Satz an Methoden und Instrumenten gegen bessere Verfahren austauschen, dass wir optimieren, was sich ansonsten identisch bleibt. Digitalisierung bedeutet, dass wir uns von der Schriftkultur, die unsere Gesellschaft ebenso wie jeden einzelnen bisher geprägt hat, komplett verabschieden.

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Servicewüste Onlinehandel – was internationale Konzerne von KMU lernen könnten

Frau M. stellt fest, dass die Adresse in meinem Kundenkonto richtig erfasst wurde und rät mir deshalb, sie zu ändern. Frau X. beglückwünscht mich zu meiner Fähigkeit, eine E-Mail schreiben zu können, und Frau Y mutmaßt, nachdem sie mein Geburtsdatum abgefragt hat, dass es nicht gelingt, meinen Router einzurichten, weil der schon so alt ist – dabei ist es ein Gerät der neuesten Version und alles, was ich von ihr wollte, sind meine neuen Zugangsdaten.

Ein Beitrag über absurde Auskünfte und Lösungsvorschläge, die Vorbildlichkeit der „Kleinen“ und eine ernsthafte Aufforderung, statt auf Big Data und Chatbots in Kundensupport einfach mal wieder aufs Zuhören, Verstehen und Agieren zu setzen.

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Liveschalte zum Attentat

Über die bigotte Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien

Als in der Türkei geputscht wurde, gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern zunächst kaum eine Reaktion. Während überall auf der Welt live berichtet wurde, konnte man hier gemütlich Musik hören oder den üblichen Serienquatsch anschauen, der einem Abend für Abend von unseren Sendern mit öffentlichem Auftrag so dargeboten wird.

Daran gab es viel Kritik und vielleicht wollte die ARD es gestern (22.07.2016) besser machen. Während des Attentats in München wurde stundenlang live gesendet. Zutage kam dabei kein Hintergrundwissen, wie auch, zu diesem frühen Zeitpunkt. Zutage kam dagegen, wie bigott diese Medien berichten, die Besonnenheit predigen und gleichzeitig Verdachtsmomente in die Welt setzen oder das Unheil herbeireden. Schön skandiert von Aussagen wie: Nichts Genaues weiß man nicht.

Als ich mit Freunden darüber debattierte, erhielt ich zur Antwort: Wir leben nun einmal in einer Welt des Überflusses. Zuviel von allem – auch an Nachrichten und Informationen. Man könne ja ausschalten. Und wenn man dies nicht tue, habe man wohl nichts Besseres zu tun oder sei halt der eigenen Sensationsgeilheit erlegen.

 

Es wurde nicht zu viel oder zu wenig informiert, …

Nun beschäftige ich mich nicht erst seit gestern mit Fragen der Kommunikation und der Nachrichtenübermittlung. Es ist mir bekannt, dass Nachrichten in autoritären Regimen eher unterdrückt werden, in freiheitlicheren Gesellschaften dagegen im Überfluss auf uns niederprasseln, sodass niemand mehr in der Lage ist, diesen Fluss zu steuern oder zu verarbeiten. Das Ergebnis ist ebenfalls bekannt. Immer mehr Menschen lesen nur noch die Nachrichten, die sie ohnehin erwarten. Suchmaschinen und soziale Netzwerke kommen diesem „Bedürfnis“ nach Filterung entgegen, indem sie eine Vorauswahl für ihre Nutzer treffen.

 

… es wurde suggeriert und kommentiert.

 Zu den Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Sender gehört es, zu informieren, aufzuklären, gegensätzliche Standpunkte zu verdeutlichen. Und vor allem: zu recherchieren. Kann man einen Umstand aktuell noch nicht klären oder darf darüber noch nicht berichtet werden, dann ist dies die Information!

Tatsächlich lässt sich feststellen, dass fehlende Informationen zunehmend oft durch Spekulationen oder durch Fiktionen ersetzt werden. Es werden Bezüge hergestellt, für die es keine Anhaltspunkte gibt. Es werden Suggestivfragen gestellt, die nicht zu widerlegen sind. Es wird mit Unterstellungen gearbeitet, die man zwar als solche benennt, trotzdem aber nicht unterlässt. Absurder geht es kaum noch. Genau so gut könnte man einem ängstlichen Kind sagen: Mach dir keine Sorgen, es gibt noch keine Hinweise darauf, dass das Monster unter deinem Bett real ist. Aber wir gucken in fünf Minuten nach, ob es noch da ist.

 

Ausschalten und geschehen lassen?

Also warum nicht einfach ausschalten? Das Gegenteil eines scheinbar liberalen Statements wie „es soll doch jeder machen, was er will“, ist das autoritäre „wenn es dir hier nicht passt, dann geh doch woanders hin.“ Oder ist es einfach die Kehrseite der Medaille?

Ich will nirgendwo anders hin. Ich lebe gern in diesem Land. Und ich lasse es mir nicht nehmen, darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas falsch läuft. Wir haben ein paar verdammt gute Journalisten und Zeitungen hierzulande. Es kann, darf und soll aber nicht sein, dass Journalisten eines öffentlich-rechtlichen Senders mit Suggestivfragen und Unterstellungen Abendunterhaltung betreiben, Antworten und Fakten ignorieren und den Verdacht immer weiter in eine bestimmte Richtung treiben.

 

Wann haben Sie aufgehört, Ihren Hund zu schlagen?

Der Ablauf war in etwa so (aus dem Gedächtnis wiedergegeben und auf das Wesentliche reduziert):

Pressesprecher: Es gibt keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.   

Frage des Redakteurs (dem diese Info bekannt ist) an den Reporter vor Ort oder an einen Experten: Gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund?

Antwort: Es gebe Hinweise, die seien aber noch nicht so verdichtet, dass man definitiv davon ausgehen könne.

Nächste Frage des Redakteurs: Wenn es einen islamistischen Hintergrund gibt (oder gäbe), bedeutet das dann auch, dass die Gefährdung in Deutschland immer stärker wird?

Antwort: Deutschland ist generell gefährdet, ob sich das jetzt verstärkt habe, könne man nicht sagen.

Nächste Frage: Wenn die Gefährdung größer geworden ist, wie kann man sich dann schützen?

Undsoweiterundsofort.

Parallel meldet sich die gesamte Weltöffentlichkeit zu Wort, was den Eindruck verstärkt, dass hier ein Attentat wie in Paris oder Nizza zu vermelden sei. Ein bayrischer Politiker fordert den Einsatz der Bundeswehr. Eine Partei mit gewissem Einschlag ruft die Leute zur Verteidigung Deutschlands auf. Aus „bis zu 3 Tätern“ werden „mindestens 3“. Aus „bis zu xx Toten“ werden „mindestens xx Tote“.

 

Konstruktion versus Recherche von Wirklichkeit

Diese Form der Berichterstattung hat Auswirkung darauf, wie Menschen in diesem Land aufeinander reagieren. Sie trägt dazu bei, die ohnehin vergifteten Debatten weiter anzuheizen. Sie spaltet unsere Gesellschaft. Sie fördert bei den einen den Glauben, dass wir einfach zu viele böse Fremde im Land haben. Sie fördert bei den anderen den Glauben, dass man ihnen einmal mehr die Schuld für diese Morde in die Schuhe schieben will. Und: Sie hat dazu geführt, dass Menschen plötzlich überall Schüsse hörten, Attentäter vermuteten, sogar Geiselnahmen beobachteten, die es nicht gab. Aus einer Meldung wurden viele. Sie hat eine grauenhafte Wirklichkeit konstruiert, statt die wirklich grausamen Gegebenheiten zu recherchieren.

 

Der Attentäter besteht darauf, Deutscher zu sein

Die Wirklichkeit aber war gestern bereits schlimm genug. Vor allem für all jene, die einen geliebten Menschen verloren. Und für die, die wieder mal als Buhmänner herhalten mussten. Dabei: Informationen über den Täter gab es schon recht früh.

Ein Amateurvideo zeigt den Attentäter auf dem Dach des Einkaufszentrums. Dem „Dialog“, den er mit einem Anwohner führte, lässt sich entnehmen, dass er etwas gegen Ausländer hat, sich selbst als Deutschen bezeichnet und wohl zeigen wollte, dass er zum besseren Teil der Bevölkerung gehört. Hat er deshalb gezielt auf Jugendliche geschossen, die „ausländisch“ aussahen? Das Video wurde schon früh online gestellt. Sein Inhalt wurde in der ARD zunächst nicht berücksichtigt.

Es dauerte Stunden, bis auch die ARD darauf kam, dass ein rechtsextremer oder zurückhaltender gesagt, ein nicht-islamistischer Hintergrund nicht mehr ausgeschlossen war. Es dauerte Stunden, bis die beständig erneut wiederholten Spekulationen über einen Terrorakt mit islamistischem Hintergrund angepasst wurden – Stunden, in denen es vor allem die intelligenteren Nutzer der Social Media waren, die sich bei der ARD beschwerten. Leute, die nicht einfach ausschalteten, sondern erkannten und benannten, was für eine beschämende Berichterstattung dort lief.

 

Wir erhalten nicht zu viele Informationen. Wir erhalten zu wenig gut recherchierte Informationen

Wir hätten zu viel der Nachrichten und Informationen? Wir haben aktuell vor allem Journalisten, die sich beklagen, dass das Vertrauen in ihre Berichterstattung verloren ist. Die sich darauf besinnen wollten, mehr zu recherchieren und zu berichten als zu belehren und zu kommentieren.

Gestern haben sie viele Antworten erhalten. Und zwar nicht von den typischen „Lügenpresse“-Rufern, sondern von Menschen, die eine neutrale und informative Berichterstattung verlangen. Die nicht einfach ausschalten, sondern sich einmischen. Und das ist gut so.

Fortschritt oder mobiler Griff ins Klo? M-WC in Barcelona 2016

(erste Veröffentlichung am 23.02.2016)

Die Menge tobt, es lebe der Fortschritt. Irgendjemand setzt sich eine dieser Brillen auf, mit denen man sich nicht nur zum Idioten macht, sondern auch noch wie einer aussieht. Und was geschieht? O Wunder: „Wenn ich mit dem Kopf nach oben gehe, sehe ich wirklich, was über mir ist. Oder nach unten, nach links, nach rechts, hinter mir!”

Das ist mir im echten (ach nee, das darf man ja so nicht abgrenzen), also im unvermittelt erlebten Raum ja noch nie passiert! Aber noch besser ist natürlich: „Jede Kopfbewegung wird wahrgenommen.“

Klar, und nicht nur die. Und nicht nur von dir.

 

Heute schon dein Schrittpensum erfüllt?

Heimliches Zettelchen mit der unverblümten Frage: Willst du mit mir gehen?, war gestern. Heute interessieren die genauen Daten:

Wie viele Schritte gehst du und mit wem? Wie viele ungesättigte Fettsäuren hast du heute zu dir genommen und wie viele Vitamine? Hast du Besuch? Hast du regelmäßig geschützten Sex? Gehst du nachts heimlich an den Kühlschrank? Wann stehst du morgens auf? Hast du deine Pillen genommen? Hast du deine Gymnastik gemacht, dein Morgengebet gesprochen, deine Mantras gemurmelt? Denk bitte an deinen Blutdruck! Und an deine Darmflora! Und setz die Mütze auf, es ist kalt draußen!

 

Das neue Wohlgefühl: Wir sind für dich da. Immer und überall.

Kontrolle, die nicht als solche empfunden werden soll, gibt sich gern als Fürsorge aus. Soeben Muttis Warnungen entflohen, begibt man sich in die vernetzte Welt von Ratgebern, Medizinern, Coaches, Optimierern, Bank-, Ernährungs- und Erziehungsberatern. Dein Leben, deine Performance! Oder doch lieber ein Adventure auf dem Sofa? Zeig uns, was in dir steckt!

 

Sei frei und dabei: heillose Inquisition als freiwillige Nabelschau

Fürsorge oder just for fun – Hauptsache, wir teilen uns freiwillig mit. Und nicht einmal mitteilen musst du dich der Welt noch selbst. Das smarte Home erledigt dies für dich. Dabei ging doch gestern noch ein Aufschrei durch die Welt, Hilfe, wir werden bespitzelt! Die böse NSA ist uns auf den Fersen. Wer hätte auch gedacht, dass sich ein Abfallprodukt der Militärforschung, das Web, als betreuter Freigang inmitten eines riesigen Knastes erweisen könnte?

Freies Surfen für freie Bürger? Schwamm drüber, sei es drum. Heute gehen wir noch einen Schritt weiter und noch einen. Elektronische Fußfessel? Brauchen wir nicht mehr, deine Smartwatch sagt uns, wo du bist. Sensorische Deprivation? Quark, wir machen uns unsere Halluzinationen selbst, alles im richtigen Maß. Du bestimmst die Dosis.

 

Erst machen, dann denken

Wozu man den ganzen Mist wirklich braucht, der in Barcelona auf dem mobilen WC präsentiert und zeitnah wie zielorientiert zu neuem Technikmüll produziert wird? Der Reporter weiß es nicht. Aber: „Erst mal machen“, lautet die Devise. Das MIT könnte vielleicht Auskunft geben, eine jener Elite-Unis, an denen ein immer waches Völkchen mit viel Ehrgeiz und Koffein Militärforschung in einen Menschheitssegen verwandelt.

 

Weltsensation: mit Oma und Zuckerberg Ultraschallbildchen tauschen

Gestern war es die Konserve, die wir als Abfallprodukt der Rüstungsindustrie dankbar annahmen. Heute ist es halt das Funkhaus, das sogar noch die Analyse deiner Stuhlprobe ungefragt zum Doc schickt. Aber erst mal machen. Und sie hat ja auch was Gutes, die ganze neue Technologie: „So kann die Oma virtuell mit dabei sein, wenn das Kind gerade geboren wurde – und zwar per Facebook.“

Ja klar, die Oma hat da genauso wie Zuckerberg gerade noch gefehlt. Möchte noch jemand dabei sein? Aber Menschen, die nicht einmal mehr den Bauch einer Schwangeren als geschützten Ort verstehen, an dem ein Ankömmling in Ruhe und ohne tosenden Applaus werden darf, was er einmal sein könnte, finden es ja schon lange normal, kleine Ultraschallbilder, auf denen nichts zu sehen ist, als emotionales Highlight am Kaffeetisch zu kredenzen. Oder soll es lieber die Panorama-Aufnahme deines letzten Darmverschlusses sein?

 

Was ist der Mensch? Selfies vom Kotfass

 „Was ist der Mensch?“, ließ Johannes von Tepl den Tod den Ackermann einst fragen. Die Antwort fiel wenig schmeichelhaft aus.

„… ein beschmierter Bienenstock, ein ausgemachtes Drecksstück, ein schmutziges Triebwesen, ein Kotfaß, eine verdorbene Speise, ein Stinkhaus, ein ekliger Spülzuber, ein fauliges Aas, ein Schimmelkasten, ein bodenloser Sack, eine löchrige Tasche, ein Blasebalg, ein Gierschlund, ein sinkender Lehmtiegel, ein übelriechender Harnkrug, ein übelduftender Eimer, eine trügerische Totenlarve, eine lehmige Räuberhöhle, ein unersättlicher Löschkrug und geschminkte Trübsal.“

Kurz: eine stinkende, zum Sterben verurteile Kreatur. Der menschliche Wunsch nach Fortschritt bestand einmal darin, dieses Kotfass in ein halbwegs erträgliches Wesen zu verwandeln und ihm ein Leben zu ermöglichen, das minne- und wundersam ist. Aber was nach oben steigt, fällt irgendwann wieder herab. Wenn du immer weiter nach links gehst, dann landest du rechts. Und je smarter du wirst, desto tumber bist du irgendwann. Vergiss in keinem Fall, ein Selfie davon zu machen. Die neue Akkulaufzeit gibt dir ausreichend Gelegenheit dazu.

 

Aber niemand zwingt dich doch …

Ja, bla, ich weiß, dieses Argument wird kommen. Gegenfragen: Schon mal versucht, ein Buch auszuleihen ohne elektronischen Bibliotheksausweis? Schon mal versucht, einem Vierzehnjährigen zu erklären, was Intimsphäre ist? Schon mal wahrgenommen, wer alles versucht, in deinen Kühlschrank zu spähen?

Neue Technologien verändern nicht nur das Leben derer, die sie benutzen, sie verändern auch das Leben derer, die sie nicht nutzen wollen. Technologien sind nicht demokratisch, sondern totalitär. Sie besetzen den privaten Raum ebenso wie den öffentlichen. Sie besetzen unsere Art zu denken, zu träumen, die Wirklichkeit wahrzunehmen. Sie werden zu Metaphern, die dich und mich beschreiben. Oder seit wann ist dein Hirn eine Festplatte?

 

„Das falsche Signal“ – Gedankensplitter zu einer überflüssigen Phrase

Nachrichtensendung, Talkshow, Dokumentation: Wo immer öffentlich und publikumswirksam debattiert wird, da ertönt es: das falsche Signal. Nicht als Störsignal in der Übertragung der Sendung, sondern im Sendungsbewusstsein. Die Steuerpläne der Bundesregierung, Rabattschlachten im Marketing, Gerichtsurteile, Betreuungsgeld, Studiengebühren oder diplomatische Zurückhaltung: alles falsche Signale. Ganz besonders beliebt im Moment (2014): die Rentenreform. Das falscheste aller Signale.

Beispiele seht ihr hier:

 

 

Was ist eigentlich ein falsches Signal?

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