Biene bloggt

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Rezension: Jürg Halter: Erwachen im 21. Jahrhundert. Roman

 

“Kaspar erkennt seine Wohnung als Kopf, durch den er in diese Nacht geht, taumelt, stolpert, fällt. Seine Wohnung als Kopf, durch den er gehetzt wird, sich hetzen lässt.“

Kaspar, der Protagonist aus Jürg Halters Roman „Erwachen im 21. Jahrhundert“, schreckt im Juni 2018 aus einem Traum hoch. Es ist noch Nacht, aber er steht auf, bereitet sich auf seine Abreise vor, die ihn nach Brest führen soll zu „den anderen“.

Die Geschichte, die der Schweizer Musiker und Schriftsteller Jürg Halter dann erzählt, zieht mich als Leserin mitten hinein in ein Sammelsurium aus Gedanken, Bildern, Überlegungen, die Kaspar zusammenhanglos nebeneinanderstellt, weil sie zusammengehören und sich doch nicht zu einem einzigen Bild zusammenfügen lassen.

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Rezension: Autoren Sternzeit. Geschichten, die nie erzählt wurden.

 

 

Instinktiv ahnte ich, dass die größten und wichtigsten Ereignisse des Lebens im Inneren geschehen.“

(Michaela Göhr)

Ein frisch gedrucktes Buch zur Hand zu nehmen, ist immer ein besonderer Moment. Einmal mehr, wenn dieses Buch eine Geschichte enthält, die man selbst geschrieben hat. Gestern war ein solcher Moment – ich hielt die Printversion der Anthologie „Geschichten, die nie erzählt wurden“ in den Händen. Und was soll ich sagen: Ich gebe sie nicht wieder her.

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Buchbesprechung: Die Humane Marktwirtschaft. Das Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen.

 

Peter Haisenko und Hubert von Brunn, Anderwelt-Verlag: 2016.

Schon vor dem Corona-Lockdown befanden sich Teile der Wirtschaft auf dem Weg in die Rezession. Die Verbreitung des Virus hat diesen Niedergang beschleunigt, teilweise wird er durch lebensverlängernde Maßnahmen verzögert. Wann, wenn nicht jetzt, wäre daher der Zeitpunkt günstiger, um über den Aufbau einer neuen gerechteren Volkswirtschaft nachzudenken?

Den Entwurf einer solchen Volkswirtschaft skizzieren die Autoren Peter Haisenko und Hubert von Brunn in „Die Humane Marktwirtschaft“ auf rund 200 Seiten. Ausgehend von einem kurzen historischen Rückblick zeichnen sie den Status quo  als „Kartenhaus einer korrupten Wirtschafts- und Finanzpolitik“, das zwangsläufig bald in sich zusammenbrechen wird, und stellen diesem System die Idee einer neuen Marktwirtschaft gegenüber, in der „Gerechtigkeit, Wohlstand, Lebensfreude und Zufriedenheit für alle“ angestrebt werden.

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Buchbesprechung: Rūdolfs Blaumanis: Im Schatten des Todes. Novelle.

 

Herausgegeben von Rolf Füllmann. Verlag hochroth: 2014.

14 Fischer und zwei Pferde befinden sich auf dem Eis in der Bucht von Riga. Die Männer werfen ihre Netze aus und bemerken erst zu spät, dass sich die Scholle, auf der sie stehen, vom Ufer gelöst hat und aufs offene Meer zutreibt. Einer versucht noch ans Ufer zu kommen, ertrinkt aber in dem eiskalten Wasser.

Die übrigen Männer finden sich in kleinen Gruppen zusammen, beratschlagen, was zu tun ist, erzählen sich von ähnlichen Vorfällen, die mehr oder weniger gut ausgegangen sind. Bis einem einfällt, dass in der Region schon einmal eine Gruppe von Menschen „verschollen“ ist.

Alle schwiegen und wagten nicht, einander anzusehen, denn in großem Unglück schämt sich der Mensch ebensosehr, wie in großer Schmach“, kommentiert der Erzähler, der uns von diesem Ereignis berichtet. Ein knapper Kommentar, der dennoch von einer tiefen Menschenkenntnis zeugt, die sich in rationalen Erwägungen nicht erschöpft. Schließlich – warum sollten wir uns schämen, wenn wir unschuldig in Gefahr geraten?

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Buchvorstellung: Junge Dichtung aus Lettland. Zweisprachiges Lesebuch (Deutsch/Lettisch).

Übersetzungen von Kristaps Grasis. Herausgegeben vom Verlag hochroth, Riga 2013.

Was zeichnet die Dichtung eines Landes, einer Sprache aus? Gibt es Gemeinsamkeiten, ein verbindliches Thema? Als Rezensentin muss ich mich vielleicht gerade vor verallgemeinernden Aussagen hüten, die letztlich nur zeigen, was ich wahrgenommen, welchen Gedichten und Geschichten ich besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Die Lektüre dieses kleinen, aber vielseitigen Gedichtbandes mit Werken zeitgenössischer Dichter und Dichterinnen aus Lettland bestätigt mir das einmal mehr. Denn es ist schwierig, Dichtung zu interpretieren, die so eng an die Sprache und Geschichte eines Landes geknüpft ist, dem man sich so nahe fühlt und von dem man doch so wenig weiß. Ich hoffe also, den Gedichten, die ich Euch hier in Auszügen vorstelle, nicht zu sehr meine eigene Sichtweise und Interpretation übergestülpt zu haben.

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Rezension: Toni Garber: Lifeline Games 1. Kindle E-Book: 2019.

 

Das Buch wurde mir im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks vom Autor kostenlos zur Verfügung gestellt.

In diesem Jugendbuch, das laut Cover für Leser ab 12 Jahren geeignet ist, werden überwiegend zwei Handlungsstränge verknüpft: Da ist zum einen der Protagonist Simon, 13 Jahre alt. Simon ist seit einem Autounfall, bei dem sein Vater ums Leben kam, auf einen Rollstuhl angewiesen. Zwischen ihm und seiner Mutter besteht ein besonders inniges Verhältnis.

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Die Banalität des Bösen oder: Heute schon deinen Traumurlaub geplant?

 

Kaum eine Schrift über die Täter des Nationalsozialismus hat mich so berührt wie Hannah Arendts Bericht über den Eichmann-Prozess in Jerusalem, dem sie den Untertitel „Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ gab.

Arendt beschreibt Eichmann als einen „administrativen Massenmörder“, dessen Handlungen aus purer Gedankenlosigkeit und dem Wunsch resultieren, innerhalb einer industriellen und automatisierten Tötungsmaschinerie „gute Arbeit“ abzuliefern und Karriere zu machen.

 

Die Sprache der Gedankenlosigkeit: Superlative und erhebende Phrasen

Seine Sprache und damit auch seine Gedanken beschränkten sich auf „erhebende Phrasen“, Klischees, Redensarten und die Verwendung von Superlativen für Worte, die keinen haben – in „keinster Weise“. Letztlich führte ihn dieses leere Gerede auch zur Flucht in eine Amtssprache, hinter der er sich verstecken konnte, die ihn von jeglicher Mittäterschaft freisprach. „Wenn ich es nicht tue, tut es eben ein anderer“, lautete wohl sein Credo.

An diese „Banalität des Bösen“ musste ich im Dezember 2019 denken, als mir online die Anzeige eines Reiseveranstalters auffiel. Diese forderte dazu auf, für eine Besichtigung des Museums und der Lager von Auschwitz jetzt „Ihre Traumreise“ zu planen, und zwar zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Lese- und Medienliste zum Roman Objektiv von Sabine Walther

In meinem neuen Roman „Objektiv – Nutze die Zeit, bevor sie dich benutzen“ versucht der Protagonist, Alexander Weinberg, eine sogenannte Empathie-Brille zu entwickeln. Mithilfe dieser Brille sollen Gaffer und Gewalttäter therapiert werden, sodass sie Empathie mit den Opfern empfinden. In dieser Lese- und Medienliste habe ich Euch Literatur und Videos zusammengestellt, die Einblick in die Hintergründe der verschiedenen Themenbereiche des Romans geben.

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Rezension. Alexander Grau: Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität. München, Claudius-Verlag, 2019.

Politischer Kitsch hat Hochkonjunktur“, so lautet die einleitende These des Philosophen Alexander Grau in seinem 2019 erschienenen Essay. Kitsch definiert er darin als eine „Lüge“, da dieser „behauptet, etwas zu sein, was er nicht ist. Und er gibt vor, einen Wert zu haben, der ihm nicht zukommt.“ Damit ist natürlich nicht die kleine Engelsfigur gemeint, die vor Herzchen drapiert den Wohnzimmeraltar verschönert. Grau spricht vom politischen Kitsch, der sich als reflektierte Meinung, als Kampf gegen das Böse, Ungerechte oder auch als Ultima Ratio ausgibt.

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Rezension: Nina Pfeffer Câmara und George Pfeffer: Daddy. Weltbürger wider Willen.

Es ist der 3. Juli 1910 als George Pfeffer als Sohn einer jüdischen Mutter in Breslau geboren wird. Wenige Jahre vor dem ersten und zu wenige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg und der kaum sagbaren Barbarei des deutschen Nationalsozialismus.

118 Jahre später erzählt uns seine Tochter, Nina Pfeffer Câmara, die Geschichte ihres Daddys. Kurz und knapp, atmosphärisch dicht, im beständigen Wechsel zwischen der Sicht der Tochter auf den sterbenden Vater und dessen schriftlich festgehaltenen Erinnerungen.

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