Brisenstimmung

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Kategorie: Biene schreibt

Krieg den Masern?

Oder: Warum Pro-und-Contra-Debatten über das Impfen nur überhitzter Müßiggang sind

„Du bist doch wohl keine Impfgegnerin?“

Ehrlich gesagt hat es mir neulich fast die Sprache verschlagen, als mir diese Frage gestellt wurde. Vermutlich hätte der Fragesteller mir sofort die Freundschaft gekündigt, wenn ich „doch“ geantwortet hätte. Aber ich konnte ihn beruhigen. Ich bin weder Gegnerin noch Befürworterin. Ich halte stattdessen diese ganzen Pro-und-Contra-Debatten für eine Art des überhitzten Müßiggangs. Sie führen zu nichts, vor allem nicht dazu, sich der Voraussetzungen unseres Denkens und Handelns bewusst zu werden. Und genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag, in dem ich für eine veränderte Auffassung von Krankheit und eine  Veränderung unserer Fragestellungen und Sichtweisen plädiere.

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Lese- und Medienliste zum Roman Objektiv von Sabine Walther

In meinem neuen Roman „Objektiv – Nutze die Zeit, bevor sie dich benutzen“ versucht der Protagonist, Alexander Weinberg, eine sogenannte Empathie-Brille zu entwickeln. Mithilfe dieser Brille sollen Gaffer und Gewalttäter therapiert werden, sodass sie Empathie mit den Opfern empfinden. In dieser Lese- und Medienliste habe ich Euch Literatur und Videos zusammengestellt, die Einblick in die Hintergründe der verschiedenen Themenbereiche des Romans geben.

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Neuerscheinung: Objektiv. Nutze die Zeit, bevor sie dich benutzen. Ein Roman von Sabine Walther.

Zwei Jahre ist es her, dass ich die erste Zeile schrieb. Damals befand sich am Bremer Hauptbahnhof noch eine Baugrube, die Überseestadt glich einem unaufgeräumten Parkplatz und manches von dem, was mein Protagonist zu erfinden gedachte, gab es noch nicht. Niemals ist mir so sehr die Zeit davongelaufen wie in diesen zwei Jahren, in denen es mir vorkam, als würde sich die Welt gerade komplett neu erfinden.

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Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung

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Literarisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen

 

Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur.“

Richard David Precht 

 

Warum wir diese Debatte brauchen, und zwar schon gestern

Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die meist diskutiert werden, wenn es um Digitalisierung geht. Wir alle wissen, dass wir uns in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch befinden. Aber was verstehen wir davon, wie die „digitale Transformation“ uns persönlich verändert und noch verändern wird?

 

Digitalisierung bedeutet nicht einfach, dass wir einen Satz an Methoden und Instrumenten gegen bessere Verfahren austauschen, dass wir optimieren, was sich ansonsten identisch bleibt. Digitalisierung bedeutet, dass wir uns von der Schriftkultur, die unsere Gesellschaft ebenso wie jeden einzelnen bisher geprägt hat, komplett verabschieden.

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Perfektion. Kurzgeschichte.

Das neue Jahr fühlte sich so alt und verbraucht an wie das vorangehende, das in der Nacht im lauten Grölen und Krachen kampflos entwichen war. Winfried stand an der geöffneten Balkontür und rauchte, gute Vorsätze waren ihm schon immer zuwider gewesen, entweder man tat etwas oder man ließ es, fertig, Punkt.

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Silvesterblues. Kurzgeschichte

War es mein Puppenwagen oder hatte eine meiner Schwestern ihn zu Weihnachten geschenkt bekommen? Ich erinnere mich nicht mehr daran, sehe nur dieses kleine hellblonde Mädchen mit den leuchtend braunen Augen, das stolz und froh seine Puppe Mariechen durch die Straße spazieren fuhr.

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James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

 

Wie schafft man runde Figuren und wie entsteht eine spannende Story? Was genau ist eine Prämisse, der sich jeder Roman zu unterwerfen hat, und wofür sollte sie gut sein? Warum ist es für geniale oder zumindest talentierte Schreiber oft viel schwieriger, einen Roman zu verfassen, als für disziplinierte Arbeitstiere? Weshalb ist es so wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man einen guten Roman schreiben will?

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Timeline 29012018

 

Timeline 29012018

 

Gestern Auschwitz, Gedenken, nie wieder

Menschenversuche mit Gas,

außer vielleicht heute für Kraft-durch-Freude-Wagen,

offen das Verdeck,

offen die Lager,

der Bordellgeruch der Hartz-Vier-Begründer

hängt noch in der stickstoffbelasteten Luft,

bezahlt vielleicht von den eingesparten Geldern für Zwangsarbeiter

und der Moderator moderiert moderat,

man müsse doch untersuchen,

welches Gas wirkt eigentlich wie,

im Versuchslabor für Arbeitsmedizin

in Aachen, nicht in Auschwitz, und gleich kommt einer

und erklärt mir,

den Unterschied und begreift nicht,

wie offen das vor uns geschieht,

was verdeckt sein müsste, heute,

nur einen Tag nach gestern.

Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund presse stumm Lippe auf Lippe

und endlich wird Gott wieder richten.

 

Du sahst sie gehn Herr, ein samtenes Kind,

gehüllt in honigfarbenen Duft,

schautest die Masken, die staunten sogar,

bis der Hass ihr Zögern zerriss.

 

Nun sieh auch, wie sturmlos verlassener Wind

am offenen Grabe verweilt,

verbrannt und zerstört ohne Schuld,

entflohen die Seele aus blutendem Schlund

 

zu betteln um Rache vor Dir,

der sanft ihrem Leichnam die Fäuste gesenkt,

die Hände geöffnet zu schutzlosem Gruß

und heilend dem Mund seinen Kuss geschenkt.

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund flehe stumm, Bitte um Bitte.

Und endlich wird Gott wieder richten.

 

Aus: Atem Sein. 16 unzeitgemäße Gedichte.

Wunsch der Sterbenden

 

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