13 Jahre war ich Kundin der Strato AG. Jeden Verkauf und jede Gebührenerhöhung – und die fielen nicht gering aus – habe ich ohne Murren hingenommen. Zum Jahreswechsel erhielt ich dann wie viele andere Kunden auch die Information, ich müsse auf PHP 7 wechseln oder, wenn ich bei der älteren Version bleiben wolle, eine monatliche Gebühr in Höhe von € 5,33 für den dann fälligen „extended Service“ zahlen.

 

 

Beim Versuch, die neue PHP-Version einzustellen, kam es zu technischen Schwierigkeiten. Kein Problem, dachte ich, denn Strato hatte angekündigt, dass man binnen 30 Minuten auf die alte Version zurückwechseln könne. Das misslang aber leider, denn mittlerweile hatte mich das System aus Sicherheitsgründen ausgeloggt. Die Sitzung war damit beendet und mein Schicksal besiegelt.

Support? Nicht zuständig

Der Support fühlte sich nicht zuständig und antwortete mit den üblichen Textbausteinen. Es war die schlimmste Situation, die man sich als Webseiten- und Blogbetreiber vorstellen kann. Für Nicht-Onliner: Stell dir vor, du hast ein Ladengeschäft angemietet, alles läuft super, dann baut der Hausbesitzer eine neue Schließanlage ein und du kommst nicht mehr hinein. Doof das, oder? Die Standardantwort lautet so:

 

 

 

Ich hatte schließlich genug davon und habe mein Hostingpaket gekündigt – der Vertrag, für den ich ein halbes Jahr im Voraus bezahlt hatte, läuft nun aus, ich nutze Strato aber schon einige Monate nicht mehr, da ich zu einem anderen Anbieter gewechselt bin.

Die ganze Sache war bis hierhin schon ärgerlich genug und kostete mich wahnsinnig viel Zeit und auch Seitenbesucher. Immerhin riet mir der Support schließlich, ich solle manuell zur alten PHP-Version zurückwechseln, was es erforderlich machte, dass ich eine entsprechende .htaccess-Datei einfügte. Diese müsste ich dann aber wieder löschen, anderenfalls würde der extended Service fällig.

 

Falsche Rechnung, nicht funktionierender Code und das große Schweigen

Nach der Kündigung ging es dann aber noch weiter. Um zu einem anderen Anbieter wechseln zu können, hatte ich meine Daten noch einmal überprüft und festgestellt, dass Strato meine Domain noch unter einer veralteten Adresse führte. Also gab ich eine kostenlose Änderungsmitteilung ab und erhielt dafür dann eine Rechnung über einen angeblichen „Domainbesitzer-Wechsel“.

Da ich im Netz las, dass dies nicht zum ersten Mal passierte, wiederrief ich sofort mein SEPA-Mandat und bat darum, mir – sollten noch Gebühren fällig werden – eine Rechnung an meine Postadresse zu schicken.

Auch der Auth-Code, den Strato mir für den Wechsel zustellte, funktionierte nicht, sodass ich einen zweiten beantragen musste. Meine Datenbank war wie gesagt komplett unbrauchbar, ich musste meine gesamte Website und den Blog neu aufziehen, alle Kommentare und Interaktionen waren verloren.

 

Abbuchung zu Unrecht berechneter Gebühren trotz Widerruf des SEPA-Mandats

Auf meine Anschreiben hatte Strato nicht reagiert, kurz darauf bemerkte ich aber, dass sie tatsächlich eine Gebühr für den „extended Service“ abgebucht hatten. Ich ging der Sache zunächst nicht nach, da ich dachte, vielleicht habe ich irgendeine Frist übersehen oder vergessen, die .htaccess-Datei zu löschen. Also löschte ich meine Datenbanken bei Strato komplett, doch im nächsten Monat wurde die Gebühr erneut von meinem Konto abgebucht. Wie gesagt, ohne Mandat und ohne, dass noch irgendein Service für irgendetwas vonnöten gewesen wäre.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dabei behauptet der Support selbst, der extended Service werde nur berechnet, sofern man ihn auch nutze.

 

 

Da frage ich mich doch, wie auf meinem Webspace eine Anwendung laufen kann, die PHP benötigt, wenn ich null Gramm Webspace verbrauche. Noch absurder ist das Ganze, weil ich zusätzlich noch PHP 7.2 eingestellt hatte – dennoch ist der “extended Service” aktiviert.

 

 

 

Ich habe dann die unberechtigt eingezogene Gebühr rückbuchen lassen, Strato ein weiteres Mal per Einschreiben informiert, dass ich mein SEPA-Mandat widerrufen habe und dass ich den Service weder veranlasst habe noch nutze. Außerdem habe ich noch einmal darauf hingewiesen, dass ich die alte E-Mail-Adresse von Strato nicht mehr nutze, man möge sich also an meine Post-Adresse halten.

 

Strato gesteht keine Fehler ein, Strato droht mit “unserem Inkassounternehmen”

Wieder erfolgte keine Antwort. Jetzt, Ende Mai, erhalte ich eine Mahnung. Man teilt mir mit, dass man mich zweimal per E-Mail aufgefordert habe (bei mir ist nichts angekommen!), meine offenen Rechnungen zu begleichen, dass ich aber nicht reagiert habe. Deshalb habe man meinen „Auftrag“ nun gekündigt. Ich solle binnen 5 Tagen die Gebühr für den extended Service bezahlen u n d die Rücklastgebühr.

Und was, wenn ich weiterhin widerspreche? Ganz einfach, zahle ich nicht binnen fünf Tagen, werde man  „unser Inkassounternehmen damit beauftragen“. Nanu, hat denn Strato ein eigenes Inkassounternehmen? Das würde natürlich einiges erklären.

 

Jetzt kommt es gänzlich dicke: Strato kündigt mir, was ich längst gekündigt habe, und bucht anschließend weiter ab

Wertes Unternehmen, was Ihr da abzieht, das nennt man Betrug. Und selbstverständlich bezahle ich dafür nicht, was ich auch bereits schriftlich mitgeteilt habe. Umso erstaunter bin ich heute, dass Ihr zwei Tage, nachdem Ihr meinen „Auftrag“ gekündigt habt, erneut ohne Mandat  eine Gebühr von meinem Konto abbucht.

Ehrlich, ich frage mich langsam, was in diesem Land los ist. Die Sparkasse hat angeblich keine Handhabe, diese wilde Abbucherei von sich aus zu stoppen. Ein Unternehmen, bei dem ich 13 Jahre Kunde war, verweigert mir jegliche Auskunft und ignoriert alle meine Schreiben, bucht irgendwelche Servicegebühren ab, und zwar sogar noch, nachdem es mir selbst den angeblichen Auftrag gekündigt hat. Und das soll ich einfach schlucken (wie es anscheinend schon zahlreiche Kunden vor mir getan haben, denn das Netz ist voll davon)?

Nö, ich bin dann mal wieder rückbuchen. Und mache zur Not jetzt auch den Kohlhaas. Dem Inkassoschreiben sehe ich mit Gelassenheit entgegen. Und hoffe dann darauf, dass ein Gericht anschließend Recht spricht und dass mir meine Unkosten erstattet werden, inklusive Schadenersatz. Ich werde Euch in jedem Fall auf dem Laufenden halten.

 

UPDATE 03.07.2019

Statt eines Inkassoschreibens hat Strato mir nun noch eine Mahnung geschickt, außerdem wurde mein bereits von mir und von Strato gekündigter Vertrag ein weiteres Mal gekündigt. Langsam kann man das doch nicht mehr ernst nehmen, oder?

 

 

Dem Schreiben entnehme ich, dass die Rechnungen, die dieser Mahnung vorausgingen, an meine alte E-Mail-Adresse geschickt wurden, die zu meinem Strato-Account, also dem mittlerweile dreifach gekündigten, gehört hatte. Aus Neugier habe ich gerade mal ausprobiert, ob ich darauf noch Zugriff habe. Die Antwort lautet:

 

 

 Euer Ernst? Ihr schickt mir Rechnungen an einen Account, den ihr selbst geschlossen habt? Ob es langsam mal Zeit für eine Betrugsanzeige wird? Es bleibt spannend.

 

Update 18.07.2019: Ja, es bleibt spannend. Mir sind heute fast die Augen übergegangen, als ich auf meinen Kontoauszügen entdeckte, dass Strato nun auch noch 48,- Euro fürs Webhosting (im Voraus, also für die kommenden sechs Monate) von meinem Konto abgebucht hat – ohne Rechnungsstellung, ohne dass noch ein Vertrag besteht und ohne SEPA-Mandat. Der Support behauptete auf meine Rückfrage, ich hätte nur die Domains gekündigt, nicht aber das Hosting-Paket. Ich sitze jetzt mal auf meinen Fingern.