Oder: Warum Pro-und-Contra-Debatten über das Impfen nur überhitzter Müßiggang sind

„Du bist doch wohl keine Impfgegnerin?“

Ehrlich gesagt hat es mir neulich fast die Sprache verschlagen, als mir diese Frage gestellt wurde. Vermutlich hätte der Fragesteller mir sofort die Freundschaft gekündigt, wenn ich „doch“ geantwortet hätte. Aber ich konnte ihn beruhigen. Ich bin weder Gegnerin noch Befürworterin. Ich halte stattdessen diese ganzen Pro-und-Contra-Debatten für eine Art des überhitzten Müßiggangs. Sie führen zu nichts, vor allem nicht dazu, sich der Voraussetzungen unseres Denkens und Handelns bewusst zu werden. Und genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag, in dem ich für eine veränderte Auffassung von Krankheit und eine  Veränderung unserer Fragestellungen und Sichtweisen plädiere.

Was mir an den Debatten ums Impfen, aber auch um Globuli, Homöopathie, Organspenden usw. zunehmend auf die Nerven geht, ist, dass hier auf beiden Seiten äußerst schräge Grundvoraussetzungen die jeweilige Haltung begründen. Weder sind nämlich alle Ärzte korrupt und jederzeit bereit, die Menschheit zu vergiften, wenn es nur ordentlich Kohle von der Pharmaindustrie gibt. Noch sind Menschen, die sich differenziert mit dem Thema Impfen befassen, dumme Aluhutträger oder Schmarotzer, deren Kinder auf Kosten der Geimpften überleben.

In diesem Beitrag möchte ich erklären, warum ich weder der einen noch der anderen Gruppierung angehöre. Ich plädiere zudem dafür, dass sich sowohl die Vertreter einer konventionellen als auch einer alternativen Heilmethode ihrer eigenen Voraussetzungen bewusst werden, die da beispielsweise lauten, dass

  • Krankheiten grundsätzlich schlecht und zu verhindern oder aber ein „Schicksal“ oder eine „Chance“ sind.
  • die konventionelle Medizin im Gegensatz zur alternativen Krankheiten heilt, weil sie auf die „Wirksamkeit“ von Medikamenten und nicht auf “Potenzen” setzt (und vice versa).

Ich schreibe diesen Beitrag nicht als Medizinerin. Ich habe mich ein Leben lang erfolgreich geweigert, meinen Körper wie ein Objekt unter dem Mikroskop zu betrachten, und bin in all diesen Dingen bewusst ungebildet geblieben. Ich hoffe aber, dass deutlich wird, dass man nicht Medizin studiert haben muss, um sich mit solchen Fragen vernünftig auseinandersetzen zu können.

 

1. Grundlagen der medizinischen Betrachtungsweise: Krankheit als Krieg und Wurzel allen Übels

Spricht ein Vertreter der konventionellen Medizin über Krankheiten und ihre Ursachen, hört es sich häufig an, als befände er sich im Krieg. Da muss dann immerzu etwas vernichtet und ausgerottet werden, es gibt Invasoren und Infektionsträger, es werden Kämpfe geführt, Feinde attackiert oder jemand wird geschwächt und niedergeschlagen.  Wer – um beim Beispiel Impfen zu bleiben – in den eigenen Reihen kämpft, aber nicht die gewünschten Ergebnisse zeigt, ist innerhalb dieser Denkweise und Metaphorik ein “Versager”.

Dem liegt eine Auffassung von Krankheiten zugrunde, die diese grundsätzlich als unerwünschte, zu eliminierende Elemente betrachtet. Dies geht teilweise so weit, dass jegliches Leiden schlechthin als unsinnig betrachtet wird, wenn es sich doch irgendwie wegmachen lässt. Warum die Qualen einer Geburt durchstehen, wenn das Kindlein doch ganz einfach und sauber mit einem Schnitt auf die Welt gebracht werden kann?

Krankheit wird der offiziellen Definition zufolge – die allerdings dürftig ausfällt – allgemein als Störung oder Schwäche verstanden, als Abweichung von der Norm, als ein „regelwidriger Körper- oder Geisteszustand“, der der Behandlung bedarf. Laut BGH und BSG zeichnet sich eine Krankheit zudem dadurch aus, dass sie geheilt, gelindert oder zumindest an ihrem Fortschreiten gehindert werden kann.

Diese leicht verstörende Definition von Krankheit zeigt bereits, dass es schwierig ist, sich über einen Begriff zu verständigen, der den Debatten zugrunde liegt. Hinzu kommt, dass Krankheiten immer erst dann beobachtet werden können, wenn die „Abweichung von der Regel“ bereits eingetreten ist. Krankheiten entstehen daher immer auch aus dem Blick des Betrachters.

Was sich in der Wissenschaft dann als klares Bild herausschält, stellt sich dem Arzt in der Praxis zumeist ganz anders dar. Tatsächlich kann der Arzt, der Hunderte von Patienten behandelt, häufig weder über deren Krankheiten noch über deren Ursachen klare Auskunft geben. Ohnehin fehlt es für eine Auseinandersetzung mit dem, was den Patienten gerade plagt, zumeist an Zeit und Geld. Der Handlungsspielraum erlaubt es dann gerade mal, Symptome zu lindern oder zu unterdrücken.

Der Patient erhält ein Medikament, das gegen etwas wirken, es wegmachen soll. Und er erhält den Eindruck, dass es letztlich sein Körper ist, mit dem er kämpft, den er besiegen muss. Dabei gibt ihm das Medikament bestenfalls die Chance, Kraft für eine Selbstheilung zu schöpfen.

 

 2. Medikamente heilen nicht, sondern ermöglichen es dem Körper, zu heilen

Doch was geschieht, wenn ich erkranke, ist eigentlich nichts anderes als der Versuch meines Körpers, (sich selbst) zu heilen. Dies funktioniert bei leichten Erkrankungen wie einem Schnupfen auch ausgezeichnet. Wir alle wissen, dass eine Erkältung mit Medikament sieben Tage und ohne Medikament eine Woche anhält.

Habe ich Kopfschmerzen und nehme eine Tablette, dann ist der Schmerz damit nicht fort, ich spüre ihn nur nicht mehr. Zeigen sich arg juckende Pusteln auf der Haut, verwende ich eine Kortison-Creme oder Tabletten und die Pusteln verschwinden. Quälen mich Bakterien, hilft ein Antibiotikum. Das kann zuweilen unfassbar befreiend sein. Es kann aber auch dazu beitragen, dass sich deutlich schlimmere Symptome herausbilden, weil ich den Ursachen nicht mehr auf den Grund gehe.

Medikamente, so halte ich zunächst einmal fest, heilen nicht Krankheiten, sondern ermöglichen es, durch das Unterdrücken von Symptomen, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Oder, denn auch das scheint mir möglich, die Symptome so lange auszuhalten, bis sie von selbst wieder verschwinden.

Ist dies nicht möglich, hilft in der Regel auch kein Medikament, sondern es muss eine andere Art des Eingriffs erfolgen, eine Operation oder eine Bestrahlung zum Beispiel. Oder aber es handelt sich um eine chronische Erkrankung, dann müssen dauerhaft Medikamente eingenommen werden, es erfolgt also ebenfalls keine Heilung im eigentlichen Sinn.

[Ich räume an dieser Stelle gern ein: Mir ist klar, dass ich hier sträflich generalisiere. Lasst den Gedanken trotzdem mal einen Moment zu.]

 

3. Krankheit ist keine kriegerische Auseinandersetzung, sondern der Versuch der Selbstheilung

Weder der Arzt noch der Homöopath heilt Krankheiten. Beide unterstützen den Körper darin, lästige Symptome loszuwerden, um (sich selbst) zu heilen oder zumindest mal eine Verschnaufpause einlegen zu können. Denn wenn wir erkranken, ist das nicht Resultat einer Kriegsführung des Körpers gegen uns selbst, sondern der Versuch, etwas, was aus der Balance geraten ist, auszugleichen.

Würden wir keine Symptome herausbilden, würden wir gar nicht bemerken, dass etwas nicht in Ordnung ist. Folgte auf den übermäßigen Missbrauch von Substanzen kein Kater, könnten wir sprichwörtlich saufen bis zum Umfallen. Tropft die Nase nicht oder quält uns nicht der Husten, würde das, was heraus muss, nicht herausgespült oder abgehustet.  Und dass Fieber eine heilende Funktion hat und daher nicht sofort unterdrückt werden sollte, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein.

Was wir bekämpfen, wenn wir Krankheitssymptome wie Feinde vernichten wollen, ist also zunächst einmal das, was uns hilft, warnt, alarmiert. Nicht die Krankheit ist unser Feind, sondern ein Zuviel oder Zuwenig dessen, was sie ausgelöst hat.

Diese Feststellung mag banal klingen. Sie erscheint mir aber grundlegend, damit wir endlich einmal aufhören, Krankheit und unseren Körper als Feind zu betrachten. Krankheit lässt sich ebenso gut als Stärke begreifen, als Fähigkeit. Die damit einhergehende Schwächung erscheint dann ebenfalls nicht mehr nur als Reaktion auf einen „Kampf“, sondern zwingt uns, innezuhalten, unserem Körper eine Pause zu gönnen, bis er sich wieder erholt hat.

 

4. Eine Mauer um mein Haus – oder was ist eigentlich ein Immunsystem?

Betrachten wir Krankheit nicht als Feind, sondern als Fähigkeit, scheint es sinnvoll, dem Körper von klein auf Gelegenheit zu geben, den Prozess der Selbstheilung immer wieder zu üben und zu perfektionieren. Um dies zu verstehen, muss man sich vielleicht zunächst von einem weiteren trügerischen Bild befreien: der Idee, dass wir über ein Immunsystem verfügen, dem wir nur A, B oder C zufügen müssen, damit es dem Körper zur Gesundheit verhilft.

Speziell für junge Menschen, die mit diesem Bild aufgewachsen sind, ist es vermutlich seltsam, wenn ich sage, dass es sein solches Immunsystem nicht gibt. Es handelt sich um ein Konstrukt, das sicher nicht zufällig entstanden ist. Letztlich aber sprechen wir nicht von irgendeinem System, das sich von außen beschreiben und dingfest machen lässt. Sondern von immerwährenden Prozessen und deren Ergebnissen, den Immunantworten.

Diese Fähigkeit, auf Krankheitserreger zu „antworten“, entsteht nicht in einer sterilen Umwelt, sondern indem wir uns mit eben diesen Krankheitserregern auseinandersetzen, und zwar vom ersten Moment an, da wir in eine Welt geboren werden, in der es von Millionen hilfreicher und schädigender Mikrowesen nur so wimmelt.

Ein Immunsystem, das sich wie eine Mauer schützend um unser Haus legt, um uns vor Eindringlingen zu bewahren, gibt es nicht. Immunität ist die erworbene Fähigkeit, auf Krankheitserreger angemessen zu reagieren. Dies ist ein Prozess der Auseinandersetzung mit Krankheitserregern und nicht das Ergebnis einer Fütterung mit irgendwelchen Substanzen, ganz gleich ob sie im Labor hergestellt wurden oder in der Kräuterküche.

 

5. Impfungen – Schutz oder schädliches Training der Immunabwehr?

Krankheiten sind nicht böse, sondern der Versuch der Selbstheilung. Sie tragen zum Herausbilden einer Immunantwort bei. Dies verhindern wir als naturgegebenen Prozess durch zu frühes Impfen. Das Kind muss sich mit einer Vielzahl an Erregern auseinandersetzen. Es kämpft also – in der Sprache der konventionellen Medizin ausgedrückt – an allen Fronten gleichzeitig.

Es lassen sich verschiedene Mutmaßungen anstellen, was das bedeutet. Zum Beispiel, dass

  • es überfordert ist und keine eigenen Antworten mehr findet.
  • die Immunreaktionen quasi hyperaktiv werden, sodass, wenn keine „Angriffe von außen“ mehr erfolgen, Autoimmunerkrankungen einsetzen.
  • der Schutz nicht vollständig aufgebaut wurde, und der Geimpfte daher ein Leben lang von einer Erkrankung bedroht bleibt. Auch kann er an als „Impfversager“ an den sogenannten vaccine-modified measles erkranken und/oder die Erreger weitergeben, ohne es zu bemerken.

Die Impfung wirkt dann wie das eingangs erwähnte Schmerzmittel. Das Symptom, der Schmerz, ist nicht verschwunden, aber wir bemerken ihn nicht mehr oder in nur sehr abgeschwächter Form. [Dass man in diesem Fall von einem „Versagen“ spricht, sagt erneut viel über das unserer Medizin zugrundeliegende Menschheitsbild aus.]

 

6. Sind Impfskeptiker Schmarotzer, deren Kinder auf Kosten der Geimpften überleben?

Wer sein Kind gegen Masern impfen lässt, muss sich dieser Umstände bewusst sein. Er wählt eine Form des Schutzes, die den natürlichen Aufbau einer Immunantwort verhindert. Das allein ist aber noch kein Argument gegen das Impfen.

Im Gegenteil. Ein wichtiges Argument, das für das Impfen spricht, betrifft den sogenannten Herdenschutz. Denn schließlich gibt es auch Menschen, die aus bestimmten Gründen keine freie Wahl haben, die sich nicht impfen lassen können. Müssen wir diesen zuliebe nicht das kleine Restrisiko, das eine Impfung birgt, auf uns nehmen?

Grundsätzlich liebe ich diese Frage, denn sie zeigt, dass der Mensch doch nicht nur Wolf unter Wölfen ist, dass wir auch an uns als Gemeinschaft denken, nicht allein an egoistische Motive. Leider wird sie oft mit Vorwürfen und Behauptungen vorgetragen, die haltlos sind. Dazu gehört die Idee, dass

  • eine so hohe Durchimpfungsrate erreicht werden kann, dass ein solcher Herdenschutz greift.
  • diese Durchimpfungsrate dauerhaft Immunität garantiert.
  • es die Geimpften sind, die die Ungeimpften schützen und dass alle, die sich ganz oder teilweise gegen das (frühe) Impfen entscheiden, Schmarotzer sind, die davon profitieren.

All diese Annahmen liegen ebenso im Bereich des Mutmaßlichen wie meine oben geäußeren Bedenken, was ein zu frühes Zuviel an Impfungen auslösen könnte. Denn letztlich wissen wir es nicht.

Tatsächlich könnte es sich nämlich auch genau umgekehrt verhalten. Die Phase, in der wir uns gegenwärtig befinden, wird deshalb auch als “Honeymoonphase” bezeichnet. Was bedeutet: Kein Mensch kann gegenwärtig sagen, wie sich eine hohe Durchimpfungsrate langfristig auswirken wird. Durch das Impfen haben wir uns eine Verschnaufpause geschaffen. Was aber geschieht, wenn die Zahl der Menschen, die eine natürliche Immunität erworben haben, weiterhin abnimmt, ist ungewiss. Theoretisch könnte gerade das Impfen dazu führen, dass auf den Honeymoon der Rosenkrieg folgt.

Das klingt natürlich erst einmal paradox. Dazu muss man aber Folgendes wissen:

  • Die Zahl der Menschen, die keinen natürlichen Impfschutz mehr haben, steigt kontinuierlich, damit auch die Zahl der primären oder sekundären Impfversager. Das sind Menschen, die an Masern erkranken, obwohl sie dagegen geimpft sind.
  • Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen, die einen natürlichen Schutz erworben haben. Wie sich das konkret auswirken könnte, dazu gibt es bereits mathematische Modelle, die eine massive Rückkehr der Masern für das Jahr 2050 vorhersagen.
  • Ungewiss ist auch, ob es zu variierten Erregern oder zum sogenannten Replacement-Phänomen kommen wird. Dies tritt beispielsweise bei Keuchhusten auf, wenn sich Bakterien so verändern, dass sie vom Impfstoff nicht mehr belästigt werden können. Ihnen fällt es dann noch leichter, sich auszubreiten, als ihren Vorgängern.
  • Von der Polio-Erkrankung ist bekannt, dass sie erst wieder zum Problem wurde, nachdem der Erreger kaum noch aufgetreten war. Umgekehrt wurde festgestellt, dass die Sterblichkeit an Diphtherie in Ländern, in denen die Erkrankung noch gehäuft auftritt, signifikant geringer ist als in anderen Ländern.

 

Fazit: Nicht das Ob ist letztlich umstritten, sondern das Wann der Impfung

Ein Herdenschutz ist also nicht automatisch durch mehr Impfungen oder durch das Ausrotten von Erregertypen gegeben. Ein Herdenschutz ist dann gegeben, wenn eine große Zahl an Menschen eigenständige Immunantworten geben kann. Dies wiederum verlangt, dass wir Krankheit nicht als Krieg begreifen, sondern als Disziplin, in der wir uns – unterstützt durch gute Mediziner oder Homöopathen und eine kluge Lebensführung – von klein auf üben, um eigene Strategien herauszubilden.

Impfungen sollten daher auf das Allernotwendigste begrenzt werden. Sie erscheinen mir sinnvoll, wenn die Ursache einer gefährlichen Erkrankung klar eingegrenzt werden kann und wenn es keine Möglichkeit gibt, auf andere Weise Immunität zu erwerben.

Ich halte aber Impfungen für bedenklich, wenn die Möglichkeit einer erworbenen Immunisierung besteht. Und aus vielen Gesprächen mit Eltern weiß ich, dass es letztlich nicht die Angst vor einem tödlichen Verlauf von Masern, Mumps oder Röteln ist, der sie dazu bewegt, schon in den ersten Wochen impfen zu lassen. Stattdessen sind es ihre Lebensumstände, die es ihnen nicht erlauben, dem Kind die Zeit, Ruhe und den Schutz zu geben, die es braucht, damit es sich mit Krankheitserregern auseinandersetzen und damit es sich mal eine längere Verschnaufpause gönnen kann.

Wer gerade mal 10 Tage im Jahr freibekommt, um bei seinem kranken Kind zu bleiben, es zu pflegen und zu unterstützen, der muss eben auf Teufel komm raus dafür sorgen, dass das Kind funktioniert und nicht drei Wochen mit Masern oder anderen Krankheiten im Bett verbringt.

Ich bin also weder für noch gegen das Impfen. Ich halte es in einigen Fällen für mehr als angebracht. Was aber die Masern angeht, so bin ich ganz klar für eine freie Entscheidung, die jeder für sich treffen muss, und zwar ausgehend von

  • den eigenen Lebensumständen,
  • der Konstitution des Kindes,
  • der Auseinandersetzung mit den Folgen, die das Impfen langfristig hat ode haben kann.

Tatsächlich gibt es ohnehin so gut wie keine „Impfgegner“. Auch Homöopathen und Ärzte, die auf anthroposophischer Grundlage arbeiten, empfehlen seit gut einem Jahrzehnt, gegen Kinderkrankheiten zu impfen, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, als die STIKO es empfiehlt. Denn natürlich wäre es unverantwortlich, ein Mädchen, das ins gebärfähige Alter kommt, nicht gegen Röteln zu impfen, wenn es keine natürliche Immunität erworben hat. Masern oder Mumps im Erwachsenenalter durchmachen zu müssen, ist sicher auch kein Kinderspiel.

Genau diesen Spielraum aber, über das Wann zu entscheiden, nimmt das neue Gesetz all jenen Eltern, die sich intensiv mit diesen Fragen befassen. Stattdessen werden sie mit den  dümmsten Beschimpfungen niedergemacht. Oder aber sie müssen sich in eine Reihe mit sogenannten Verschwörungstheoretikern stellen lassen.

Das Gesetz, da bin ich mir sicher, wird ohnehin schon bald wieder gekippt werden müssen. Denn es erfüllt keinen der Tatbestände, die gegeben sein müssen, damit ein Eingriff in das Recht auf Unversehrtheit gerechtfertigt ist. Wer sich damit intensiver befassen möchte, sei auf die Website der Ärzte für eine individuelle Impfentscheidung verwiesen. Ein lesenswertes Interview zu wesentlichen Argumenten und Sichtweisen findet sich zudem in der Epoch Times vom 9. Mai 2019.