Der Aufstieg

 

Neben ihm sitzen, ihn anschauen, es aussprechen wollen: Vater. Sein erstauntes Gesicht wahrnehmen, woher weißt du. Lächeln. Wie könnte ich es nicht wissen, ich bin doch deine Tochter.

Die Sonne schlief noch, als er den Wagen vor Margrits Haus zum Stehen brachte. Ich fragte mich, woher er den Weg kannte, wunderte mich, dass im Haus der Freundin die Lichter brannten, als hätte sie auf uns gewartet. Auch schien Margrit nicht wirklich überrascht, ihn, den Fremden, den ich nun Vater hieß, zu sehen. Woher kannten sie sich? Wieso wusste sie, dass wir uns zu ihr flüchten würden?

Sie umarmte ihn kurz, schob mich sanft in das große helle Badezimmer, entnahm dem Medizinschrank alles, was sie brauchte, um meine Wunden zu reinigen, tauchte den weichen Waschlappen in warmes Wasser, gab ein wenig Lavendeltinktur darauf und wusch mir Gesicht und Hände, bevor sie mir ein Handtuch reichte.

Für den Moment war ich versucht, mein Gesicht darin zu verbergen, nie wieder aufzutauchen, mich hinauszuweinen aus einer Welt, in der ich mich niemals so verlassen gefühlt hatte wie gerade jetzt, da mein Vater zu mir zurückgekehrt war.

Als wir ins große Wohnzimmer traten, saß er bereits da, hatte den schmutzigen Ledermantel abgelegt, sich ebenfalls gewaschen, die zerschlissenen Jeans notdürftig gereinigt und ein Handtuch über die Sitzfläche des hellen Ledersessels ausgebreitet.

Ganz offensichtlich kannte er sich aus in Magrits Haus. Die Freundin nahm das Teeservice aus dem Schrank, schenkte uns vom Kräutertee ein, der auf dem Tisch schon bereitstand, fragte, was geschehen sei. Stockend erzählte ich, was ich erinnerte; von den Fragen und den Demütigungen, von Isandro und dem Erkennen, dass letztlich alles meine Schuld war, von meiner Bereitschaft, in den Brunnen zu steigen, um die gerechte Strafe auf mich zu nehmen.

„Du Dummerchen“, sagte Margrit, „du bist an gar nichts schuld. Sie sind selbst verantwortlich für ihre verkorksten Leben und es ist grauenhaft, was sie dir angetan haben. Versprich mir, dass du dir nie wieder so etwas einreden lässt“, sagte sie dann ernst.

Doch das Letzte, was ich in diesem Moment brauchte, war ein billiger, unaufrichtiger Trost. Ich war müde, verletzt, gewiss. Aber ich hatte zum ersten Mal im Leben eine Entscheidung getroffen, die ganz allein die meine war. Ich hatte mich frei gefühlt, indem ich die Opferrolle aufgab, hatte mit jedem Schritt, den ich auf den Brunnen zuging, das Gefühl, stärker zu werden, zu wachsen, die Hülle zu zerreißen, die mich bis dahin von den Menschen um mich herum getrennt hatte. 

Ich war ihnen nah gewesen wie nie zuvor, und ich hatte gespürt, dass sie genau deshalb an Macht über mich und mein Leben verloren. Was immer sie tun oder lassen würden, es entschied nicht darüber, wie die Sache ausging. Es gab eine höhere Macht, der mein Leben gehörte. Und nur sie hatte das Recht, meine Bahnen zu lenken.

Und nun würde ich eben den nächsten Schritt gehen, diesen Bahnen folgen müssen. Dafür brauchte ich Klarheit, keine Ausflüchte oder Beschönigungen. Nach all den Jahren der Trauer, des Alleinseins, des abgrundtiefen Gefühls der Verlassenheit, in denen ich mich nach nichts mehr gesehnt hatte, als nach einer Heimat, die mir ein Nest sein könnte, war es an der Zeit, auch diese Illusion endgültig zu zerstören.

„Warum hast du mich allein gelassen?“, unterbrach ich Margrits Redefluss unhöflich und wandte das Gesicht dem Vater zu.

„Wo ist …“, ich zögerte, denn das Wort „Mutter“ oder „Mama“ ging mir nicht über die Lippen. Es war ein heimliches Wort, ein verlorenes Wort, das ich in Kindertagen weinend vor dem Schlafengehen geflüstert hatte, ohne zu wissen, wen ich damit überhaupt meinte.

„Wo ist s i e?“, fragte ich daher und zog die drei Buchstaben so abfällig in die Länge, wie ich es von Großmutter oft gehört hatte.

„Ich weiß es nicht“, sagte er zerknirscht, „ich weiß auch gar nicht, wo ich anfangen soll. Deine Mutter hat uns verlassen, bald nach deiner Geburt. Aber es war nicht ihre Schuld, es war meine, ich war schwach, zu schwach und zu feige, um ihr beizustehen. Sie war eine schöne stolze Frau, weiß du. So schön wie du und …“

„Schon gut“, sagte ich und versuchte, meiner Stimme einen festen Klang zu verleihen, „du musst es nicht ausschmücken.“

„Sie wollte dich mitnehmen, aber es war unmöglich. Du warst die Espeja, die Dorfbewohner hätten sie eher getötet, als ihr zu erlauben, dich aus dem Dorf zu bringen. Und ich … ich habe wirklich versucht, dich zu beschützen, ich wollte bei dir bleiben, ich wusste ja, was auf dich zukommt, ich war ja selbst der Sohn einer Espeja. Aber auch deine Großmutter, meine Mutter … sie hatte schon so vieles durchmachen müssen. Wie hätte ich mich gegen eine von euch entscheiden sollen? Deshalb ließ ich mich treiben, nahm die Ereignisse hin.

Aber ich ertrug es nicht. Ich liebte euch alle drei und ich verlor euch eine nach der anderen, ertränkte meinen Schmerz im Suff. Wurde mehr und mehr wie mein Vater, den sie in die Heilanstalt gebracht hatten, weil der Alkohol ihn und sein letztes bisschen Verstand zerfledderte, bis er überall nur noch Hass und Gefahr sah, meinte, man wolle ihn töten. Irgendwann entschied ich dann, ebenfalls zu gehen. Ich wollte nicht, dass du mit einem solchen Vater aufwachsen musst, ich wollte dir nicht im Wege stehen, ich hatte Angst, ich könnte werden wie er.“

Er atmete tief durch, pausierte, Margrit schenkte noch Tee ein.

„Habt ihr Hunger?“, fragte sie dann, „soll ich Frühstück machen?“

„Nein danke“, antwortete ich verärgert. Wie konnte sie in einem solchen Augenblick ans Essen denken? Mein Vater, von dem ich zeit meines Lebens angenommen hatte, dass er tot wäre, saß vor mir. Hatte ein Leben ohne mich geführt und versuchte gerade, mir zu erklären, dass er mir diese Trauer aufgebürdet hatte, um mich zu beschützen.

„Und warum bist du jetzt zurückgekommen?“, fragte ich ihn.

„Ich lebe seit zwei Jahrzehnten in Mexiko“, antwortete er, als würde das etwas erklären.

„Und?“

„Unsere Vorfahren stammen von dort“, fuhr er fort, „und ich habe eine neue Gemeinschaft gefunden, der ich mich anschließen konnte. Vor etwa drei Wochen wurde ich krank, schwer krank und ging zu unserer Heilerin. Sie erklärte mir, was sie gesehen hatte: dass ich noch eine alte Schuld zu begleichen habe. Und zwar möglichst rasch, sonst würde ich das kommende Jahr nicht mehr erleben.

Sie sagte, ich müsse eine Reise antreten, um jemandem zu helfen, den ich einmal sehr geliebt hatte und den ich noch immer in meinem Herzen trage, sodass mich der Schmerz auf Dauer töten würde. Sie meinte, es sei nun der Tag gekommen, an dem ich das Unrecht, das ich der Person angetan hatte, wiedergutmachen könne.“

„Und woher wusstest du, dass sie mich meinte?

„Ich wusste es nicht. Es hätte auch deine Mutter sein können oder deine Großmutter. Sogar Margrit“, sagte er, stockte dann aber, da sie ihm durch ein leichtes Kopfschütteln zu verstehen gab, nicht mehr zu verraten. Die Bewegung war nur für ihn bestimmt, aber natürlich nahm auch ich sie wahr. Was ging hier vor? Was verschwiegen sie mir noch alles?

„Aber weißt du“, sagte er und blickte mich liebevoll an, „wenn du dich einmal auf diesen Pfad eingelassen hast, wenn du keinen Zweifel mehr hegst, dann leitet er dich so sicher durch das Labyrinth wie ein gut trainierter Blindenhund. Ich buchte einen Flug nach Valencia, fuhr von dort zum Bahnhof, ohne zu wissen, wo meine Reise enden würde. Und dann traf ich dich.“

Konnte man mir die Skepsis ansehen? Ich gab mir jedenfalls Mühe, sie zu verbergen. Doch einmal mehr fühlte ich mich innerlich zerrissen. Ein Teil von mir glaubte ihm jedes Wort, wollte, wünschte, bettelte, dass es ein solches Band zwischen uns gäbe, das stärker war als alles, was uns auseinandergetrieben hatte. Der andere Teil spottete über eine solche Vorstellung, fühlte sich manipuliert. War er mir nah wie ein Vater oder wie ein schwächelnder Narzisst, der versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen?

„Woher wusstest du, dass ich ich bin? Ich meine, woher wusstet du, wie ich aussehe, woran hast du mich erkannt?“

Er schwieg, Margrit räusperte sich.

„Er wusste es von mir“, sagte sie. „Ich habe ihm hin und wieder ein Foto von dir geschickt und ihm auch erzählt, dass du nach Valencia gegangen bist.“

„Ihr hattet die ganze Zeit Kontakt miteinander?“

Die beiden sahen sich verlegen an, nickten.

„Also hast auch du mich die ganze Zeit belogen?“, fragte ich Margrit.

„Sie kann nichts dafür“, sagte der Mann, der sich mit jedem weiteren Wort zurück in einen Fremden verwandelte.

„Ich habe sie darum gebeten. Ich dachte, es wäre besser, du würdest glauben, dass deine Eltern gestorben sind, als zu denken, dass wir dich verlassen haben. Wir liebten dich, glaube mir, wir …“

Niemals zuvor hatte ich einen solchen Zorn in mir verspürt.

„Ich bin eine Espeja!“, schrie ich ihn wütend an und sprang auf, „und ihr glaubt, ich vertrage die Wahrheit nicht? Ihr lügt und betrügt, weil ihr meint, zu wissen, was besser ist für mich? Und ausgerechnet du“, wandte ich mich enttäuscht meinem Vater zu.

„Du weißt, dass man eine Espeja nicht belügen darf. Dass wir verrückt werden, wenn wir fühlen, dass wir in Unwahrheit leben, aber den Grund nicht kennen. Dass ich meine Bestimmung nicht annehmen konnte, solange sie auf einer Täuschung beruhte!“

„Warum hat Großmutter mitgespielt?“, fragte ich nach einer kleinen Pause in ihr Schweigen hinein.

„Es war die Bedingung dafür, dass ich dich bei ihr ließ“, sagte der Mann.

„Natürlich wusste sie, dass es deine Erziehung erschweren würde, dass du spüren würdest, dass sie dir etwas verschwieg. Dass die Lüge es erforderlich machte, dich noch strenger anzuleiten, als es sonst üblich ist. Aber ich ließ ihr keine Wahl.“

Draußen setzte ein wilder Regen ein und ich wünschte nichts mehr, als dass sein heftiges Trommeln all die falschen Worte und Bekundungen übertönen würde, die aus ihren Mündern zu mir drangen. Ich dachte daran, wie sehr ich Großmutter geliebt und gleichzeitig verabscheut hatte. Wie sehr ich darunter gelitten hatte, zu glauben, dass etwas mit mir nicht stimmte. Nur um jetzt zu erfahren, dass nicht ich, sondern dass sie mich getäuscht hatten.“

Ich wandte mich ab, entschlossen, zu gehen. Margrit sprang ebenfalls auf, wollte mich umarmen, aber ich stieß sie fort.

„Bleib doch, Liebes, wohin willst du denn jetzt? Wir können doch alles klären, ruh dich doch erst einmal aus.“

„Ich pfeife auf eure Sorge und euer Mitgefühl!“, entgegnete ich kalt und verließ das Haus.

Sie antworteten nicht mehr, liefen nicht hinter mir her. Der Regen schlug mir hart ins Gesicht, als ich die Haustür zuzog und zum Auto ging, es war mir gerade recht. Der Schlüssel steckte noch im Zündschloss, ich löste die Handbremse, wendete den Wagen, stieß gegen den Papageienkäfig und bog ohne nach rechts oder links zu schauen auf die Landstraße ein. Meine Augen weinten, aber mein Herz zürnte und tobte. Was bildeten sie sich ein? Wie hatten sie es wagen können, so über mein Leben zu entscheiden? Was für erbärmliche Heuchler sie doch waren!

Ich sah nicht in den Rückspiegel, als ich im dichten Regen auf die Spur Richtung Valencia wechselte. Ich blinkte nicht einmal. Wäre der Wagen hinter mir, dessen Fahrer meinte, ich würde weiter geradeaus fahren, nicht mit überhöhter Geschwindigkeit durch den Regen gerast, er hätte wohl trotzdem noch rechtzeitig bremsen können. Aber zu spät, es gab einen heftigen Knall, ich verlor die Kontrolle über das Steuer, sah den Mann wild gestikulierend an mir vorbeifahren und registrierte dann wie aus weiter Ferne, dass das Auto den Abhang hinabschlitterte, sich überschlug und schließlich zum Stehen kam.

„Selbst schuld“, hörte ich mich aus der Distanz sagen, als der Airbag sich in einer kurzen Explosion öffnete. „Du hättest nicht davonlaufen dürfen, nicht damals, nicht jetzt. Eine Espeja läuft nicht davon. Sie erträgt den Schmerz, weil sie weiß, dass er sie läutert. Sie akzeptiert, dass es ein normales Leben für sie nicht gibt.“

Flog ich davon oder lastete ich eingeklemmt zwischen Steuer und Airbag? Ich erinnere beides, denn etwas von mir hatte sich vom Körper gelöst, sah mitleidig auf das entkräftete Wesen herab, das bewusstlos vor sich hin röchelte.

Wie schön es gewesen wäre, einfach nachzugeben, mich auf ewig im Wind aufzulösen, der mich trug, sanft auf einer Wiese im Sonnenschein absetzte. Wie herrlich es wäre, mit den Schmetterlingen das Lachen des Sommers zu erwarten, sich auf den Duft des Lavendels einzustimmen.

Doch der Sog des Lebens war stärker und so kehrte ich aus der unbegrenzten Leichtigkeit zurück in einen schweren Körper, dessen Kehle sich ausgetrocknet anfühlte, als hätte man der zugehörigen Person einen Becher Sand zu trinken verabreicht.

Es brauchte mehrere Versuche, bevor es mir gelang, die Tür zum Beifahrersitz zu öffnen. Ich kletterte aus dem Wagen, schaute den Abhang hinauf, versuchte abzuschätzen, wie viele Meter mich von der Straße trennten. Statt des Regens behinderte nun die stark blendende Sonne meine Sicht, aber es mussten einige Hundert Meter sein, die der Wagen hinabgerumpelt war.

Mein Kopf dröhnte, ich wusste, ich würde den Aufstieg nicht allein bewältigen können, nicht an dieser Stelle, wo Geröll und Vegetation es unmöglich machten, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Erschöpft setzte ich mich auf den Boden und lehnte den Rücken ans Auto. Die Wunde am Knie war wieder aufgeplatzt, in den Haaren klebte verkrustetes Blut. Bis auf das Stechen im Kopf, das vermutlich von einer Gehirnerschütterung stammte, fühlte ich jedoch keinen weiteren körperlichen Schmerz.

Ich hatte also einmal mehr verdammtes Glück gehabt. Absurdes Glück, korrigierte ich mich. Denn letztlich war ich binnen weniger Stunden aus einem Brunnen befreit worden, um nun hier in der Einöde zu verröcheln. Ich hatte erfahren, dass mein Vater lebte, nur um ihn ein weiteres Mal zu verlieren, auf eine sehr viel schmerzlichere Art. Ich hatte überlebt, aber es gab kein Leben mehr, in das ich zurückkehren konnte.

Doch wo Finsternis herrscht, wird auch der schwächste Lichtstrahl zum Wegweiser, und wo wir auf jede falsche Hoffnung verzichten, bietet sich die Chance, sich von allen irrigen Annahmen und Ansichten zu befreien, die nur unserem Ego, nicht einer höheren Wahrheit geschuldet sind. Erst wenn wir in jeder Hinsicht gescheitert sind, können wir als neuer Mensch geboren werden.

Auch ich hatte all die großen und kleinen Katastrophen gebraucht, um zu verstehen: Ich war und ich blieb eine Espeja. Nicht die Wahrheit oder ein Unglück setzten mir zu. Was mich schwächte, das waren Lüge, Heuchelei, Betrug und Verrat. Ich musste den Abgrund kennenlernen, um zu wissen, wohin ich gehörte: in die Höhen der Bergwelt, nach Alvaría.

Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als der zarte Lockruf eines Schlangenadlers erklang. Ich hob den Kopf, hielt die Hand vor die Augen und erblickte den stolzen Vogel, der sich in unruhigem Flug näherte. In etwa 20 Metern südlicher Richtung begann er, gleichmäßig zu kreisen, ließ sich im Schwebeflug auf eine hochgewachsene Pinie herab und schien mich von dort aufmerksam zu beobachten.

Da ich nicht reagierte, erhob er sich erneut, flog auf mich zu, stürzte herab und landete direkt vor mir. Bewegungslos schaute ich in seine klugen gelben Augen, die mich musterten, mir etwas zu sagen versuchten. Dann erhob er sich wieder und flog zurück zu der Pinie, um mit einem sanften Ijoo nach mir zu rufen.

Die Zeichen waren so eindeutig, sein Verhalten war so klar, ich hätte eine Närrin sein müssen, sie zu ignorieren. Um den verstauchten Knöchel nicht übermäßig zu belasten, nahm ich einen der vom Sturm ausgebrochenen Äste als Gehhilfe auf und schleppte mich in seine Richtung. Ich wusste, ich konnte ihm vertrauen.

Und mein Vertrauen wurde belohnt, denn direkt neben der Pinie, auf der der Vogel sich niedergelassen hatte, befand sich die letzte Stufe eines gut gesicherten Rettungspfades. Man musste ihn erst vor Kurzem hier installiert haben, vermutlich, weil es im Valle del Diablo ständig zu Unfällen kam und der eben planierte Weg es den Rettungskräften erleichterte, die Verwundeten und die Toten abzutransportieren.

Mit einer leichten Verbeugung dankte ich dem Adler, der mich noch einmal intensiv betrachtete, als wollte er prüfen, dass ich nie wieder ausweichen, resignieren, zu früh aufgeben würde. Das Ergebnis schien ihn zu überzeugen, denn er erhob sich und flog ohne einen weiteren Gruß davon, während ich langsam, aber stetig, den mühseligen Aufstieg begann.

Ich war gerettet. Einmal mehr. Und ich war sicher, dass mich dieser Pfad endgültig in die einzige Richtung führen würde, die es in meinem Leben noch geben durfte: in die Richtung eines alten Bergdorfes, dessen störrische Bewohner vor vielen Jahrhunderten in diese Gegend gekommen waren, sich abgeschirmt hatten, um in den Wirren des Krieges und der hereinbrechenden neuen Zeit nicht unterzugehen.

Ich war ihre Espeja, ihre Verbündete. Es war meine verdammte Pflicht, es endlich zu akzeptieren und die Tradition fortzuführen.