Brisenstimmung

Biene bloggt

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Michael Kastner (Hrsg.): Digitalisierung und psychische Gefährdung. Balancen zwischen Chancen und Risiken. Tagungsband, Maori GmbH 2017.

„Digitalisierung und psychische Gefährdung“ lautete das Thema einer Tagung, die 2015 anlässlich des 30jährigen Bestehens des Institutes für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin stattfand. In den gleichnamigen Tagungsband, den ich euch in dieser Rezension vorstelle, wurden acht Beiträge aufgenommen, die das Thema aus unterschiedlicher Perspektive beleuchten.

 

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Läuft bei uns: Chinas „Social Scoring“ vorgestellt in der Bremer Zionsgemeinde.

Über den linken Traum, das chinesische Volk (und das eigene) durch Totalüberwachung umzuerziehen.

Ein Bericht von der Veranstaltung “China heute – Harmonische Gesellschaft oder Überwachungsalbtraum?” am 11.04.2019.

Frohe Botschaften aus Beijing: Die Luft ist rein, die Menschen sind glücklich, die Armut ist besiegt und derzeit diskutieren freie Bürger munter über ein neues Sozialpunktesystem, auf das sich 80 % der (2.200) Teilnehmer einer Umfrage schon wahnsinnig freuen.

So und noch absurder wurde am 11.04.2019 in der Bremer Zionsgemeinde das Social Scoring vorgestellt, das China ab 2020 landesweit einführen wird. Eingeladen hatte laut Gemeindeblatt das Bremer Friedensforum. Tatsächliche Veranstalter waren aber die Studiengruppe China Bremen und das Konfuzius-Institut Bremen sowie weitere sich politisch eher links verortende Gruppierungen.

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Timo Daum – Die Künstliche Intelligenz des Kapitals. Nautilus Flugschrift 2019. Rezension.

 „Wenn heute von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, dann in den allermeisten Fällen von einem Teilbereich, der sich mit maschinellem Lernen überschreiben lässt. Mit Patrick Langley könnte man diese auf spezialisierte Aufgaben trainierten kognitiven Systeme als ‚gelehrte Idioten‘ (idiots savants) bezeichnen, die zwar eine besondere Begabung in einem bestimmten Feld aufweisen, außerhalb desselben aber zu nichts zu gebrauchen sind. Auch maschinelles Lernen ist ein trügerischer Begriff, seine Mechanismen haben nicht mit selbstreflexivem Denken zu tun […]“.

„Wir sollten die Begriffe lieber vermeiden und stattdessen von Software mit Trainingsdaten-Analyse sprechen […]“. „Außerdem schlage ich vor, dass wir die Frage, ob oder wie ‚intelligent‘ ein Algorithmus oder eine Maschine sind, ebenfalls vermeiden und stattdessen fragen, welche Aufgaben sie wie genau lösen. Wir sollten auch fragen: Wem gehören sie, welche Ziele verfolgen ihre Herren, und was macht das mit uns?“ „Wir sollten uns nicht vor der Superintelligenz fürchten, sondern vor schlecht programmierter KI. Vor KI, die privaten Firmen gehört, deren Diener ist und nicht in erster Linie dazu da uns zu nutzen“ (S. 165f).

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Wenn Dir das Lachen im Hals stecken bleibt …

… dann ist nicht immer ein schlechter Witz daran schuld. Ein Kommentar zum Kramp-Karrenbauer-Kalauer und den Reaktionen.  

 

Ich würde im Leben nicht auf den Gedanken kommen, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung abzulehnen. Schwule und Lesben gehörten schon immer zu meinem Freundeskreis. Transsexuelle oder Intersexuelle kenne ich nicht persönlich – sie würden aber ebenso wenig ausgeschlossen. Weil es mir – sexuelle Gewalt in jeder Form ausgenommen – schnurz ist, wer wen liebt oder mit wem jemand in die Kiste steigt.

Was mir zu denken gibt, ist, dass ich eine solche Bemerkung mittlerweile vorausschicken muss. Und dass mehr und mehr Themen, für die liberal, aufgeklärt, freiheitlich denkende Menschen sich mal eingesetzt haben, von Menschen gekapert werden, die wohl auch gern eine Gesinnungsprüfung durchführen würden, bevor sie jemanden in ihren Freundeskreis aufnehmen.

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Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung

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Literarisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen

 

Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur.“

Richard David Precht 

 

Warum wir diese Debatte brauchen, und zwar schon gestern

Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die meist diskutiert werden, wenn es um Digitalisierung geht. Wir alle wissen, dass wir uns in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch befinden. Aber was verstehen wir davon, wie die „digitale Transformation“ uns persönlich verändert und noch verändern wird?

 

Digitalisierung bedeutet nicht einfach, dass wir einen Satz an Methoden und Instrumenten gegen bessere Verfahren austauschen, dass wir optimieren, was sich ansonsten identisch bleibt. Digitalisierung bedeutet, dass wir uns von der Schriftkultur, die unsere Gesellschaft ebenso wie jeden einzelnen bisher geprägt hat, komplett verabschieden.

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Servicewüste Onlinehandel – was internationale Konzerne von KMU lernen könnten

Frau M. stellt fest, dass die Adresse in meinem Kundenkonto richtig erfasst wurde und rät mir deshalb, sie zu ändern. Frau X. beglückwünscht mich zu meiner Fähigkeit, eine E-Mail schreiben zu können, und Frau Y mutmaßt, nachdem sie mein Geburtsdatum abgefragt hat, dass es nicht gelingt, meinen Router einzurichten, weil der schon so alt ist – dabei ist es ein Gerät der neuesten Version und alles, was ich von ihr wollte, sind meine neuen Zugangsdaten.

Ein Beitrag über absurde Auskünfte und Lösungsvorschläge, die Vorbildlichkeit der „Kleinen“ und eine ernsthafte Aufforderung, statt auf Big Data und Chatbots in Kundensupport einfach mal wieder aufs Zuhören, Verstehen und Agieren zu setzen.

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Perfektion. Kurzgeschichte.

Das neue Jahr fühlte sich so alt und verbraucht an wie das vorangehende, das in der Nacht im lauten Grölen und Krachen kampflos entwichen war. Winfried stand an der geöffneten Balkontür und rauchte, gute Vorsätze waren ihm schon immer zuwider gewesen, entweder man tat etwas oder man ließ es, fertig, Punkt.

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Silvesterblues. Kurzgeschichte

War es mein Puppenwagen oder hatte eine meiner Schwestern ihn zu Weihnachten geschenkt bekommen? Ich erinnere mich nicht mehr daran, sehe nur dieses kleine hellblonde Mädchen mit den leuchtend braunen Augen, das stolz und froh seine Puppe Mariechen durch die Straße spazieren fuhr.

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James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

 

Wie schafft man runde Figuren und wie entsteht eine spannende Story? Was genau ist eine Prämisse, der sich jeder Roman zu unterwerfen hat, und wofür sollte sie gut sein? Warum ist es für geniale oder zumindest talentierte Schreiber oft viel schwieriger, einen Roman zu verfassen, als für disziplinierte Arbeitstiere? Weshalb ist es so wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man einen guten Roman schreiben will?

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Über die Barbarei der Aufklärung

 

Gedanken zum Zeitgeschehen auf Basis der Lektüre „Die Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer/Adorno

Starre Grenzziehungen und völkisches Denken auf der einen Seite, die idiotische Idee der totalen Entgrenzung des Individuums, das weder Herkunft noch Gewordensein kennt, auf der anderen. Es ist schwer, sich in diesen aufgeregten Zeiten nicht in die jeweiligen Lager ziehen oder dazwischen aufreiben zu lassen.

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