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Schlagwort: Corona

Gerda Greschke-Begemann: Corona. Wir leben noch. Aber wie? Rezension.

 

Auf 82 Seiten befasst sich die Autorin mit den Widersprüchen, die sich aus einer behaupteten Rationalität im Umgang mit der Corona-Pandemie und den tatsächlich festzustellenden Irrationalitäten ergeben.

Der Aufsatz liest sich wie eine Chronik, deren trockene Nüchternheit durch einen gepfefferten essayistischen Stil aufgelockert wird. Die Verfasserin erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit; sie verteidigt ein Menschenbild, in dem das Subjekt mehr ist als  „nur biologische Existenz“,  die sich in bürokratische und digitalisierte Abläufe einfügen lässt, ohne daran Schaden zu erleiden.

Entsprechend verzichtet Gerda Greschke-Begemann in ihrem Buch darauf, ihre Aussagen mit Quellenangaben zu belegen – was in Zeiten, da aus allen Mündern die Rede von der neuesten und aberneuesten Studie erklingt, die XY besage, besonders erfrischend zu lesen ist.

Gerade der Versuch, alles und jedes mit naturwissenschaftlicher Evidenz aufzuwerten, ist es doch – so folgere ich – der dazu führt, dass wir das augenscheinlich Evidente nicht mehr wahrnehmen. Und so graben wir uns durch (zumeist noch schlechte aufbereitete Grafiken und unvollständig erhobene) Zahlenkolonnen, versuchen immerzu etwas zu beweisen, statt uns gemeinsam des Problems in all seinen Dimensionen zu stellen.

Ich habe das Buch also schon deshalb gern gelesen, weil es nicht einer argumentativen Rechthaberei frönt, sondern abbildet, benennt, das Subjekt und die Subjektivität gegen eine Flut gelenkter Informationen verteidigt, ohne in irgendeiner Weise Verschwörungs- oder Unterdrückungsklischees zu bedienen.

Inhaltlich stimme ich nicht allem zu – doch ist das an dieser Stelle völlig unerheblich. Viel wichtiger scheint mir, dass hier implizit für eine Rückkehr zu einem Diskurs geworben wird, innerhalb dessen es möglich ist, einen begründeten Standpunkt zu beziehen, ohne diesen vorab von staatlich anerkannten Autoritäten und von den Inhabern der weltweiten Meinungsmachermedien absegnen zu lassen.

Ich sehe das Buch daher als einen Beitrag zur Rückkehr in einen Diskurs der Aufrichtigen, die versuchen, verkrustete und verengte Fragestellungen und Meinungshoheiten aufzubrechen, statt Polarisierungen voranzutreiben, und hoffe, dass dieser sehr bald pandemische Züge annehmen wird.

 

 

Corona. Wir leben noch. Aber wie? von Gerda Greschke-Begemann wurde im September 2021 als Kindle E-Book und als Taschenbuch veröffentlicht.

 

Rettet Corona die Welt? Oder auch: Was darf Satire?

 

Eine kleine Verteidigung eines großartigen Satire-Videos des Bohemian Browser Balletts

Kaum war das neuste Video des Bohemian Browser Balletts veröffentlicht, gab es gewaltige Schelte und bitterböse Kommentare. Stein des Anstoßes: Im Video wird behauptet, das Corona-Virus sei so fair wie gerecht und möglicherweise die Rettung unseres Planeten, da es die Alten hinwegrafft und die Jungen weiterleben lässt. Darüber hinaus seien vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, wie sie für die fetten Wohlstandsnationen typisch sind.

Was, wie schon zuvor das Umweltsau-Lied des WDR-Kinderchors, als Satire gemeint war, wurde seiner Aussage nach für bare Münze genommen. Und wieder einmal stellte sich die bereits oft diskutierte Frage: Was darf Satire?

„Alles“, lautete einst die Antwort eines Kurt Tucholsky. Aber diese Antwort allein wird als nackte Tatsache dem Genre Satire nicht gerecht. Und sie verschweigt die wesentliche Frage, die auch schon Tucholsky seinem kurzen Artikel über die Satire voranstellte, nämlich die nach dem Zweck der Satire und dem Charakter des Satirikers. Auf einen Nenner gebracht:  Was will Satire?

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