Biene bloggt

Schlagwort: gedichte

Wunsch der Toten

 

Wunsch der Toten

Drei Nächte Atem noch, wenn schon in dieser Stunde,

die Feder still vor meinem Munde ruht,

und jeder weitre Schnitt in meine Wunde

nichts mehr bewirkt, da starr erlag das Blut.

 

Drei Nächte Weinen und in meinem kalten Schoß

will ich Dich wiegen, leis erklingt ein frühes Lied,

doch ahnst versteinert fern den stummen Reim Du bloß,

der ausgehöhlt von Trauertropfen weiterzieht.

 

Drei Nächte Wachen, dann bin ich allein

mir Reue schuldig, längst hast Du mir ja vergeben,

ersuch in Scheue meinem Schöpfer nah zu sein,

erhoff Verständnis für mein hoffnungsloses Leben.

 

Drei Jahre Hölle, bis ich endlich erdenfrei,

bis Deine Trauer mich von jeder Pflicht entbindet,

gebar mich fröhlich dann als Luftmeers Melodei,

wünsch, dass Dein Lachen mich in fernem Wehen findet.

 

Aus: Sabine Walther. Atem Sein. Gedichte und Fotografien vom anderen Ende der Liebe.

Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Allen Kriegern im Namen Gottes

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund presse stumm Lippe auf Lippe

und endlich wird Gott wieder richten.

 

Du sahst sie gehn Herr, ein samtenes Kind,

gehüllt in honigfarbenen Duft,

schautest die Masken, die staunten sogar,

bis der Hass ihr Zögern zerriss.

 

Nun sieh auch, wie sturmlos verlassener Wind

am offenen Grabe verweilt,

verbrannt und zerstört ohne Schuld,

entflohen die Seele aus blutendem Schlund

 

zu betteln um Rache vor Dir,

der sanft ihrem Leichnam die Fäuste gesenkt,

die Hände geöffnet zu schutzlosem Gruß

und heilend dem Mund seinen Kuss geschenkt.

 

Das Schweigen der Jungfrau wird sie vernichten.

Hand erhebe sich nicht.

Mund flehe stumm, Bitte um Bitte.

Und endlich wird Gott wieder richten.

Aus: Atem Sein. Gedichte und Fotografien vom anderen Ende der Liebe.

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